Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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61 Auch in ihr werden die Werte des Unterrichts durch Erleben und Betätigung zum wahren Besitz des Schülers werden müssen. Für die jüdische Volksschule wird der Arbeitsunterrieht sowohl in den allgemeinen Disziplinen derVolksschule, wie in den besonderen jüdischen Fächern zur Anwendung gelangen. Für den jüdischen Religionsunterricht besagt dies, daß nicht allein Kenntnisse zu vermitteln sind, sondern die Schüler durch Pflege des religiösen Gemeinschaftslebens zur Teilnahme an jüdischreligiösem Leben hingeleitet werden müssen. Das nachfühlende Verständnis der biblischen Persönlichkeiten und das Erfassen der Lebenseinheit der jüdischen Geschichte muß zur Eingliederung des Schülers in die lebende jüdische Gemeinschaft führen, soweit es nur dem Unterricht und der Schule möglich ist, einen solchen Einfluß auf die Lebensgestaltung auszuüben. Hier kommt es auf die sinnvolle Mitarbeit des Elternhauses in besonderem Maße an. Die höhere Schule wird, soweit ihre Erhaltung oder gar Neubegründung möglich ist, nicht einen solchen Reichtum der Gliederung in humanistische Gymnasien, Realgymnasien, Ober- Realschulen aufweisen, wie es Kerschensteiner für erforderlich hält. Die schwere Lage der jüdischen Jugend, die zum guten Teil genötigt sein wird, außerhalb der deutschen Heimat ihre berufliche Existenz zu suchen, erfordert eine Pflege der neueren Sprachen und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung, die dieser Lebensnotwendigkeit entspricht. Auch in dieser Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten wird die höhere jüdische Schule den Sprachunterricht und den naturwissenschaftlichen Unterricht in seinem kulturellen Gehalt zu erschließen haben. Aufgabe des jüdischen Geschichtsunterrichts ist es, den jüdischen Kulturgehalt und seinen Zusammenhang mit der europäischen Kultur deutlich zu machen, aber auch die Tragik der jüdischen Geschichte als der Geschichte des Volkes zwischen den Völkern zur Anschauung zu ^ringen. Der Religionsunterricht unterstützt vom Unterricht in der hebräischen Sprache muß jüdische Frömmigkeit als den tiefsten Besitz des jüdischen Menschen in allen Wandlungen seiner Geschichte der Jugend als heiligstes Gut ihres Lebens überliefern. Die Begründung von jüdischen Lehrlingsheimen, Jugendvereinen und Volkshochschulen muß der jüdischen Jugend die Möglichkeit geben, auch nach dem Verlassen und außerhalb der Schule in seelischem Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinschaff zu bleiben und sich von ihr in ihrem Leben getragen zu