Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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60 Erziehungsgemeinschaften mit Uebungsmöglichkeiten für die Entfaltung pädagogischer Eigenschaften für alle Klassen von Lehrern, so wären diese für die Bildung aller Lehrer heranzuziehen. Sie könnten altwie neusprachlichen oder mathematischnaturwissenschaftlichen Charakter haben. Gäbe es dann als Fort- Setzung an den Hochschulen Einrichtungen wie sie die ״Colleges“ aufweisen, die als Lebens- und Erziehungsgemeinschaften angesehen werden könnten, dann hätten wir die vollendete Lehrerbildungsorganisation. Solange eine solche Organisation nicht vorhanden ist, droht bei einer Uebertragung auch der VolksschuUehrerausbildung auf die Universität die Gefahr, daß in der Lehrerpersönlichkeit anstelle des sozialen der theoretische Mensch tritt. Der Wesenskem des Volksschullehrers aber liegt nicht in seiner intellektuellen Ausbildung, sondern in seinen Erzieher- Eigenschaften. Darum schließt sich K. dem Vorschlag Sprangers an, für Lehrer besondere ,,Bildnerhochschulen“ zu errichten. (Kerschensteiner: Die Seele des Erziehers und das Problem der Lehrerbildung S. 156.) Wir haben auf die Bedeutung der Pädagogik Kerschensteiners in unserer Stellungsnahme zur Pädagogik der Neuzeit immer wieder hingewiesen. So heben wir hier nur folgendes hervor: Unzweifelhaft ist die Idee der Arbeitsschule berufen, eine bloß mechanische Lemschule abzulösen und durch Aktivierung der seelischen und geistigen Kräfte der Schüler diese zur inneren Entfaltung zu bringen. Wie Kerschensteiner die Pestalozzi- Methode hierdurch zur Geltung bringt, gibt er ihr eine wertvolle Ausgestaltung durch die Beziehung des Unterrichtes auf die konkrete natürliche und geschichtliche Umwelt des Schülers und auf die speziellen Begabungen, die an ihnen entsprechenden Bildungsgütem zur Entfaltung gelangen. Die Verknüpfung von beruflicher, staatsbürgerlicher und menschheitlicher Bildung ist in Kerschensteiners Arbeitsschule in vorbildlicher Weise vollzogen. Auch die jüdische Schule wird daher die Methode der Arbeitsschule sich zu eigen machen müssen. Nur in Palästina aber ist die Einheit beruflicher, staatsbürgerlicher und menschlicher Bildung zugleich eine jüdische. Außerhalb dieses nationalenEigenlebens wird die jüdischeErziehung die Werte jüdischen Seins, jüdischer Religion und jüdischer Geschichte neben und in Verbindung mit der beruflichen und staatsbürgerlichen Bildung zur inneren Erkenntnis des Schülers zu bringen haben. Darum ist eine jüdische Schule notwendig, die diesem Ziel der jüdischen Erziehung allein zu entsprechen vermag.