Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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bildung, so muß der Wille durch Freiheit und Betätigung gestärkt, die Begriffe des Verstandes von ihm selbst erarbeitet, die Feinfühligkeit durch die realen Verhältnisse der Erziehung entwickelt, die Aufwühlbarkeit des Gefühls mit Ideen und Grund- Sätzen verknüpft werden, um diesen einen Einfluß auf die Bildung des Charakters zu geben. Die Arbeitsschule hat diese Aktivierung der seelischen Kräfte zu leisten, die also nichts weniger als eine bloße Abart der Kindergartenbeschäftigung ist. (Vergl. Kerschensteiner: Charakterbegriff und Charaktererziehung, S. 143 ff.) Eine solche Aktivierung der seelischen Kräfte vermag die Arbeitsschule nur dann zu vollbringen, wenn 1. in jedem Unterrichtsgebiet der Weg der Erarbeitung des Bildumgsgutes beschritten wird. Dies aber ist nur dann möglich, wenn gemäß den verschiedenen seelischen Veranlagungen verschiedene Bildungsgüter in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt werden; 2. gehören zu den Bildungsgütem einer Schule auch technische Bildungsgüter, so hat die Schule einen besonderen Arbeitsunterricht als Fach anzugliedem; 3. die sittlichen Eigenschaften sind nicht bloß durch Lehre sondern durch die Bildung von Arbeitsgemeinschaften praktisch zu entwickeln. Grade die Arbeitsschule ist in ihrem Erfolg durch die pädagogischen Fähigkeiten der Erzieher bedingt. Auch die L e h r e r - b i 1 d u n g erfordert daher eine weitreichende Umbildung. Auch hier darf nicht das Vielwissen einer sogenannten allgemeinen Bildung, sondern muß eine berufliche Bildung d. i. die Beschäftigung mit der Erziehung von Menschen das Bildungsgut sein, das in der Mitte der Lehrerbildungsanstalt den Schulorganismus beherrscht. Das einheitlich geschlossene Arbeitsgebiet des Lehrerseminarskann daher nur die Pädagogik mit ihren Hilfswissenschaften Psychologie und Ethik sein. Ihnen ist in Verbindung mit dem nahe verwandten Gebiet der Literatur, sei es nur der deutschen oder auch noch einer fremden, der größte Teil der auf drei Jahre ausgedehnten Seminarzeit einzuräumen. Neben diesem Hauptarbeitsgebiet wird noch ein zweites sehr viel kleiner gehaltenes notwendig sein, das unter Fortführung eines Arbeitsgebiets der Präparandie durch die Exaktheit seiner Methode eine starke geistige Zucht verbürgt. Durch eine solche Beschränkung des Unterrichtsstoffes wird dem Lehrer Gelegenheit gegeben werden, außer den Schulpflichten sich eine frei gewühlte Pflicht aufzuerlegen, und sich in eine aus eigenem Antrieb gesuchte Arbeit zu vertiefen. Die Vorbereitungsschule zu diesem Seminar müßte im Interesse einer solchen Vertiefung des Seminarunterrichis eine Reihe von Unter-