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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 69

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
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57 nach möglich erscheint, erst dann ist manuelle Betätigung ein Bildungselement, das zur präzisen Wiedergabe dessen führt, was der Schüler sieht, denkt und fühlt. Wohl aber erfordert der Geist der Arbeitsschule Aktivierung der seelischen Kräfte, von denen ein bestimmtes Bildungsgut allein in seinem Bildungswert erschlossen werden kann. (Kerschensteiner': Begriff der Arbeitsschule, S. 73.) Soll aber diese Erziehung zur Bildung der Persönlichkeit zugleich ihre staatsbürgerliche Aufgabe erfüllen, so muß der Unterrieht eine Organisation erhalten, die in den Schülern das Bewußtsein hervorruft, einer Gemeinschaft anzugehören, für deren Gedeihen und Entwicklung jeder Einzelne verantwortlich ist. Eine solche Organisation sieht Kerschensteiner in der Organisation des Schulbetriebes im Geiste von Arbeitsgemeinschaften, die der Pflege der Kameradschaftlichkeit, der Hingabe an Wissenschaft, Kunst, Religion, der Unterstützung Hilfsbedürftiger dienen. Wohl dürfen solche Arbeitsgemeinschaften nicht gebildet werden, ehe die Schüler eine gewisse geistige, manuelle oder moralische Leistungsfähigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet erlangt haben. Auch wird man nicht allzu ungleiche Elemente in Arbeitsgemeinschaften aneinanderketten. Vor allem aber müssen die Lehrer der Schule selbst vom Geiste der opferwilligen Arbeitsgemeinschaft durchdrungen sein. Ermöglicht schon die Volksschule in gewisser Hinsicht die Durchführung von Arbeitsgemeinschaften wenigstens zur Aufrechterhaltung der Schuldisziplin in der Beteiligung der Schüler an der Schulregierung, gibt das schon fortgeschrittenere Schülermaterial der Fortbildungsschule dem Prinzip der Arbeitsgemeinschaft schon zu viel weiter gehender Anwendung Raum, so bieten die aussichtsreichsten Möglichkeiten die höheren Schulen. Namentlieh geben in den höheren Klassen die Lektüre der deutschen und fremden Klassiker und der Geschichtsunterricht die entsprechende Grundlage zur gemeinschaftlichen Vertiefung in freien Arbeitsgemeinschaften. So darf die höhere Schule sich nicht als bloße Gelehrtenschule, sondern als Organ der Entwicklung des Staatsbewußtseins betrachten. (Kerschensteiner: Begriff der Arbeitsschule, S. 42 ff.) Wie die soziale beruht aber auch die individuelle sittliche Erziehung auf der Ergänzung der Belehrung durch die freie Betätigung des Lebens. Sind Willensstärke, Urteilsklarheit, Feinfühligkeit, Aufwühlbarkeit die Voraussetzungen der Charakter-

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