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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 68

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--67-2727443
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56 Bildung dieser Fähigkeiten zu kultureller Wirksamkeit aber erfolgt nur durch jene Kulturgüter, deren geistige Struktur der Struktur der jeweiligen Entwicklungsstufe der individuellen Lebensform adäquat ist. Das will aber nicht sagen, daß nur die Seite des Individuums zu bilden ist, die die seelische Voraussetzung eines bestimmten Kulturgutes ist. Sondern wie in jedem kulturellen Schaffen die ganze Persönlichkeit mit aller ihrer Kraft des Denkens, Fühlens, Wollens tätig ist, so bildet das bestimmte Kulturgut den Mittelpunkt, von dem die ganze Welt der Kultur der Persönlichkeit aufgeschlossen werden soll. (Kerschensteiner: Grundaxiom des Bildungsprozesses.) So wird der theoretisch gerichtete Mensch durch die Wissenschaftsgüter in die Kulturkreise nicht bloß der Wissenschaft, sondern auch der Kunst, der Gesellschaft, des Staates, der Religion eindringen. Umgekehrt wird der technisch gerichtete Mensch nur durch die Realisierung seiner praktischen Ziele also nur durch die technische Arbeit selbst den Schlüssel zu den Wissenschafts-, Kunst- und sozialen Gütern finden, soweit es die Beschaffenheit seiner Geistesstruktur erlaubt. Aber jeder Weg kann schließlich in das Innere der gesamten Kultur führen. Denn kein Kulturkreis besteht für sich isoliert; alle Kulturkreise sind vielmehr innig miteinander verflochten. Ist Kultur der Weg der Seele zu sich selbst von der geschlossenen Einheit durch die Vielheit zur entfalteten Einheit (Simmel), so hat die Pädagogik die Aufgabe, die Bildung gemäß den verschiedenen Typen des psychischen Verhaltens um verschieden Bildungsgüter zu zentrieren und den Weg zu suchen, der von einem Kulturgut zum anderen führt. Diese Aufgaben sind bestimmend für die Gestaltung des Lehrplanes und die psychologischen Methoden des Unterrichtes. (Kerschensteiner: ebda., S. 49.) Nur dann also, wenn die Lehrpläne der höheren Schulen in dieser Weise um verschiedene Kulturgüter aufgebaut sind, vermag der Unterricht an den höheren Schulen ein wahrhaft produktiver Arbeitsunterricht zu sein. Denn Arbeitsschule besagt nicht allein manuelle Betätigung, sondern jeden Unterricht, der durch seine Methode und die ganze Art seines Betriebes die immanenten Bildungswerte der Bildungsgüter auslöst. Erst wenn manuelle Tätigkeit zur Erarbeitung gewisser Kulturgüter gehandhabt wird, und selbstverständlich wenn sie nur dort gehandhabt wird, wo dies der Natur der Sache nach notwendig und der Natur der Seele

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