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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 67

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--66-2727442
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55 Eine solche Verteilung der Bildungsgüter auf die verschiedenen Schulgattungen erfolgt aber nicht bloß aus Gründen der Ökonomie, um in einem Bildungsgut zu intensiver Beherrschung des Stoffes zu gelangen. Sondern grade weil der Zweck des Unterrichts Bildung und nicht bloßes Wissen ist, muß die verschiedene seelische Struktur, der die verschiedenen Kulturgüter entstammen, auch für die Aneignung dieser Kulturgüter d. i. in, der Bildung berücksichtigt werden. Der Rationalismus ist geneigt, die verschiedenen Kulturrichtungen als Schöpfungen der überall gleichen menschliehen Vernunft anzusehen. D i 11 h e y war es, der die Anregungen der Romantik aufnehmend, auf die verschiedene seelische Struktur hinwies, die die Individualität und ihr Wirken bestimmt. Fordert daher D i 11 h e y neben der die gesetzlichen Veränderungen des psychischen Lebens erforschenden analytischen Psychologie eine die verschiedenen Typen seelischer Strukturen und ihren Sinn- Zusammenhang erfassende descriptive oder verstehende Psychologie, so hat Spränge r im Anschluß an die erkenntnistheoretischen Forschungen der Gegenwart nachgewiesen, daß wie die Methoden der Wissenschaften und der Kulturgebiete von einander differieren, so auch die ihnen zu Grunde liegenden seelischen Strukturen der kulturellen Persönlichkeiten von einander verschieden sind. So sind die seelischen Strukturen des theoretischen Menschen, des ökonomischen, des ästhetischen, des sozialen, des Machtmenschen, des religiösen Menschen ,wohl zu unterscheiden. ( Spranger: Lebensformen.) Diese Sprangersche Psychologie der Lebensformen nun ist das Fundament der Kerschensteinerschen Forderungen der Differenzierung der Bildungsgüter. Sind die Lebensformen und die aus ihr hervorgehenden Kulturgüter nicht beliebig auf jeden Menschen zu übertragen, sondern Entfaltungen der Individualität und der in ihr liegenden Anlagen, so sind die Kulturgüter auch nur für diejenigen Bildungsgüter d. h. können sie nur dann für den Aufbau der geistigen Welt von der Persönlichkeit ungeeignet werden, wenn verwandte seelische Organe ihre Aufnahme ermöglichen. Das gilt für die Aufnahme wissenschaftlicher wie künstlerischer, sozialer wie religiöser Güter und darum auch für das Verständnis nicht nur einzelner kultureller Schöpfungen und Persönlichkeiten, sondern auch ganzer Epochen, in denen ein grundlegender Wert alles seelische Leben beherrscht. Daraus folgt, daß eine jede Individualität ein bestimmtes Verhältnis zu den Kultuigütem zu erlangen fähig ist durch Enf ־ wicklung der ihr gegebenen kulturschaffenden Fähigkeiten. Die

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