Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721061--65-2727441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Folgerung gezogen wissen, daß eine jede Schulform wirklich ihr spezielles Bildungsgut in den Mittelpunkt des Unterrichtes stelle. Auch auf den höheren Schulen ist encykiopädisches Vielwissen Tod aller Bildung. Denn Bildung ist innere Formgebung und diese Formgebung muß den Begabungen und Anlagen angepaßt sein. Sie kann nur erarbeitet, nicht auswendig gelernt sein. So hat das Gymnasium am klassischen Altertum das Kulturgut, das außer der formalen Bildung zum Ideal reinen Menschentums zu bilden bestimmt ist. Desgleichen ist die Einheit des Bildungsstoffes die Grundforderung für die Gestaltung des Lehrplanes aller höherer Schulen, der naturwissenschaftlichen, neusprachlichen und technisehen Gymnasien. Nicht ein Konglomerat von gleichberechtigten Unterrichtsgebieten, sondern ein wirkliches Eindringen in einen bedeutsamen Bildungsstoff muß das Ziel der höheren Schulen sein. Ein solcher Gegenstand ist für das neusprachliche Gymnasium der Geist eines fremden, an Kulturschätzen reichen Volkstums, .sei es der Franzosen oder Engländer. Ebenso stellen Mathematik und Naturwissenschaft ein Kulturgut dar, das sowohl formal wie seinem weltanschaulichen Gehalt nach Gelegenheit zu selbständiger produktiver Arbeit und zu einer Stellung zum Weltganzen gibt. Das technische Gymnasium hat von gesteigerten technischen Leistungen den Weg zu® Verständnis der theoretischen Grundlagen der Technik und ihrer sozialen Bedeutung zu bahnen. Die so geschaffenen vier Arten von Gymnasien ruhen also sämtlich auf einem Pfeiler und haben gerade durch die Schulung in einem umfangreichen Wissensgebiet zur allgemeinen Bildung zu führen. Aber nur der Schwerpunkt der Organisation liegt in dem speziellen Bildungsgut, zur Ergänzung haben andere Bildungs- Stoffe hinzuzutreten. Wenn aber diese Hinzufügung anderer Bildungsstoffe nicht wieder die Gefahr der Vielwisserei beschwören soll, so wird man sich bewußt bleiben müssen, daß auf diesen Gebieten nur kräftige Anregungen zu geben und die Fähigkeit zu eigener wissenschaftlicher Arbeit zu entwickeln ist. Das weitere ist der Begabung des Schülers und seiner freien Arbeitslust zu überlassen. Soll aber eine solche freie Arbeit des Schülers möglich sein, so darf er nicht mit obligatorischem Unterricht voll angestrengt sein. Dem freien Bildungstriebe der Schüler ist daher sowohl durch entsprechende Beschränkung der Unterrichtsstunden als durch eine gewisse Beweglichkeit in der Arbeitsverpflichtung Rechnung zu tragen. (Kerschensteiner: Grundfragen der Schulorganisation: Die 5 Fundamentalsätze für die Organisation höherer Sehulen.)