Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2720904-2721061--64-2727440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
53 Zeichen- und Gesangsunterricht werde vor allem in der Richtung der künstlerischen Erziehung ausgebildet, und neben dem obligatorischen ein fakultativer Gesang- und Zeichenunterricht eingerichtet. Für die religiöse Erziehung ist in Bayern der weltlichen Schulbehörde ein Einfluß versagt; der Religionsunterricht bewegt sich in den traditionellen Bahnen. Trüge die Familie nicht den Löwenanteil der religiösen Erziehung, die Volksschule hätte im allgemeinen keine Veranlassung, auf diese ihre Leistungen stolz zu sein. (Kerschensteiner: Grundfragen der Schulorganisation: Der Ausbau der Volksschule.) Mit dem vollendeten 14. Jahr ist nun für die meisten die öffentliche Erziehung abgeschlossen. Pflicht des Staates aber ist es, die große Masse nicht in so jugendlichem Alter sich selbst zu überlassen. Der Weg der Verlängerung der Volksschulpflicht ist nicht ökonomisch genug. Denn der Knabe wie das Mädchen ist nach vollendetem 14. Lebensjahr im allgemeinen reif für manuelle Betriebe und kann sich bis dahin die notwendige vorbereitende Bildung erwerben. Alle weitere Ausbildung und vor allem die rein staatsbürgerliche kann daher mit ungleich größerem Erfolge mit der Berufsbildung verknüpft werden. Darum ist es notwendig, daß die Volksschule in der Pflicht-Fortbildungsschule oder in der Fachschule bis zum 18. Lebensjahr ihren Ausbau erfahre. (Kerschensteiner: ebda., S. 99.) Nach dem 18. Lebensjahr eröffnen sich dann für alle Knaben und Mädchen der gelehrten wie der ungelehrten Stände die Pforten der freien Schulen: der Universitäten und Technischen Hochschulen für die höheren Berufe, der höheren Gewerbeschulen und Volkshochschulen für die mittleren und niederen Berufe, sodaß jeder eine Leiter finde, wo er so hoch zu steigen vermag, als es seine Begabung gestattet. Von allen Schulen aber ist der Intellektualismus fern zu halten, er ist der Feind aller staatsbürgerlichen Erziehung. Die wahre Bildung muß stets auf dem Boden der Arbeit stehen; sie schöpft ihre Kraft nur aus der ernsten, intensiven, praktischen, produktiven Tätigkeit. Der Handwerker, der Bauer, der Künstler, der Gelehrte kommen zur wahren menschlichen Höhe nur durch selbsttätiges Schaffen an ganz bestimmten Aufgaben. (Kerschensteiner: Berufs- oder Allgemeinbildung, S. 44.) Aber ist nicht allseitige Bildung das notwendige Ziel der höheren Schulen? Kerschensteiner will aus der Gleichberechtigung der verschiedenen Gattungen höherer Schulen die