Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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52 Mensch“ muß in allen Wissensgebieten zu Hause sein, ein ,,vielseitiges Interesse“ ihn zur Teilnahme an der ganzen Breite des Kulturlebens befähigen. Darum sind die Lehrpläne der höheren Schulen mit einem Übermaß von Fächern vollgestopft. Sie ahmen die Mittelschulen nach, um hinter diesem Ideal der allgemeinen Bildung nicht zu weit zurück zu stehen und die Volksschulen sind inzwischen ein verkleinertes Spiegelbild der Mittelschulen geworden. Eine Prüfung der Kenntnisse nur wenige Jahre nach der Schulentlassung aber zeigt, daß diese allgemeine Bildung nur zu rasch vom Leben abgewaschen, der Unterricht eine Danaidenarbeit gewesen ist. Bildung ist Formgebung von Innen heraus. Der Weg zum idealen Menschen führt nur über den brauchbaren Menschen. Der brauchbare Mensch aber ist derjenige,, der seine und seines Volkes Arbeit erkennt und den Willen hat sie zu tun. So steht die Berufsbi 1 düng an der Spitze der Menschenbildung. Aber der Irrtum in der heutigen Berufserziehung liegt darin, daß man sie auf die reine Technik beschränkt und daß man übersieht, daß kein Beruf losgelöst von allen anderen existiert. Damit schädigte man nicht bloß die Bildung des Menschen, sondern die Berufsbildung selbst. So muß die Erziehung für die Berufsaufgaben mit der staatsbürgerlichen Erziehung verbunden werden und kann diese nur durch jene erfolgen. (Kerschensteiner: Grundfragen der Schul- Organisation: Berufs- und Allgemeinbildung.) Demnach gestaltet sich der Lehrplan der Volksschulen so, daß dem naturwissenschaftlichen Unterricht eine besondere Sorgfalt zugewendet wird. Der naturkundliche Unterricht unterstützt durch selbsttätige Arbeit des Schülers in Laboratorien, Werkstätten, Schulgärten hat den Schüler so in die Natur einzuführen, daß er die einfachen Vorgänge und Gesetze in den Erscheinungen der Natur beobachten, verstehen und auf seine sittliehe Lebensführung anwenden lerne. Diese Zielangabe enthält keine Forderungen über ein bestimmtes Kenntnisquantum, wohl aber die Unterordnung unter die Erziehung zum Staatsbürger. Der Geschichtsunterricht hat nicht Kenntnisse der Weltgeschichte zu vermitteln, sondern den Schüler zu klaren Vor- Stellungen über die wichtigsten Perioden der Entwicklung des eigenen Volkes hinzuführen, aus denen sich später ein Verständnis für die Aufgaben des Staates und seiner politischen, religiösen und sozialen Einrichtungen anbahnen kann. So gilt auch hier der Grundsatz: möglichst wenig, aber möglichst gründlich. Der i