Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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51 Familie für die Volkssittlichkeit maß auch unter den erschwerenden Verhältnissen des heutigen sozialen Lebens die Erziehung und Bildung der Mädchen für ihren natürlichen Beruf die wichtigste Aufgabe des Staates und der Gemeinden auf dem Gebiete des Mädchenerziehungswesens sein. Welches sind die Mittel zur Erreichung dieses Zieles? Auch hier darf nicht das Ziel einer Allgemeinbildung den Lehrplan der weiblichen Fortbildungsschule bestimmen, sondern muß die allgemeine Mädchenfortbildungsschule als eine Berufsschule betrachtet werden, die für die Aufgäben in der Familie vorbereitet. Demnach wird sie sich zu beschäftigen haben mit den Aufgaben der Haushaltführung, den Erziehungsaufgaben der Mutter, mit den Aufgaben und der Stellung der Frau im Staate. Dieser Unterricht darf wieder nicht bloß theoretisch sein, denn jede Beiufsbildung verlangt nicht bloß Kenntnisse, sondern Fertigkeiten. Ein Schulküehenunterricht hat also die Lehre von der Ernährung und der Haushaltführung zu ergänzen. Als Vorbereitung für die Aufgaben der Kindererziehung werden die Schülerinnen alle Arten der Beschäftigung mit Kindern in Krippen, Kindergärten und vor allem im eigenen Familienkreise üben. In sozialer Hinsicht sind die Mädchen zur Herstellung von Krankenkost, zur Mitarbeit an Mädchenhorten heranzuziehen und ist ihr sozialer Gesichtskreis durch Besuch von sozialen Instituten zu erweitern. So zeigt sich auch hier, daß alle Erziehung ihr letztes Ziel in der staatsbürgerlichen Erziehung hat und daß die Staatsbürgerliehe Erziehung des Mädchens mit seiner Erziehung zum Weibe zusammenfällt. Haushaltungskunde, Erziehungslehre und Bürgerkünde sind obligatorische Fächer der Münchner Töchterschulen geworden und mit einer Schulküche verbanden. Auch die Handelsschulen für Mädchen lassen diese Fächer nicht unberücksichtigt. Vor allem sind sie die Grundlage der mannigfach spezialisierten weiblichen Fortbildungsschulen der Koch- und Haushaltungs schulen, der Erzieherinnenschulen, der Pflegerinnenschulen. (Kerschensteiner: Grundfragen der Schulorganisation: Die zeitgemäße Ausgestaltung der Mädchenschule.) Diese Einsichten und Erfahrungen auf dem Gebiete des Fortbildungswesens aber führten Kerschensteiner zur Prüfung der allgemeinen Methoie des Unterrichtes und insbesondere des Verhältnisses von Berufs״ und Allgemeinbildung. Hier nun herrschte allgemein die Herbartsche Lehre, daß die Allgemeinbildung der Berufsbildung voranzugehen habe. Der ״gebildete