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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 62

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--61-2727437
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50 zu vermitteln sucht, das stärkste Motiv im Zögling, das der pcrsönliehen Neigung und des wirtschaftlichen Interesses, für die Bildung des Zöglings unberücksichtigt läßt; zweitens, daß die Fortbildung, des Zöglings in den Gewerbeschulen nicht bloß eine persönliche und wirtschaftliche Angelegenheit des Zöglings und der Berufsgenossen, sondern ein eminentes Interesse des Staates ist. Denn der moderne Staat hat sein Fundament nicht allein in dem Untertanengehorsam, sondern in der lebendigen Staatsbürgerliehen Gesinnung und Betätigung seiner Bürger. Dann aber darf die Fortbildungsschule nicht bloße Unterrichtsschule sein, sondern hat sie zugleich zur aktiven Teilnahme am nationalen Leben zu erziehen Diese beiden Einsichten wußte nun Kerschensteiner auf bedeutsame Weise zu verbinden, indem er grade die Berufsbildung zum Träger der allgemeinen Bildung, zur Einführung in eine theoretische und praktische Würdigung der kulturellen Güter des Gemeinschaftslebens gestaltete. Indem das Gewerbe in den Mittelpunkt des Unterrichtes trat und die fachliche Berufsbildung sowohl technisch wie kaufmännisch-wirtschaftlich gründlich gepflegt wurde, gab es zugleich die Grundlage zu einem Unterricht, der in der Darstellung der kulturgeschichtlichen Entwicklung des, Gewerbes seine Eingliederung in die Entwicklung des modernen Staatswesens zur Erkenntnis brachte. Damit ergab sich ein staats•^ bürgerlicher Unterricht, der nicht im Entlegenen und Abstrakten stecken bleibt, sondern von der konkreten Stelle des Zöglings aus ihm den Eintritt in die soziale Gemeinschaft und in die Gesetzmäßigkeit des sozialen Lebens eröffnet. Zugleich aber erkannte Kerschensteiner, daß es nicht möglich sei, bei der bloßen Lehre stehen zu bleiben und es dem Zögling zu überlassen* den großen Schritt von der Lehre zur Anwendung selbständig zu tun. Die soziale Tat geht nicht aus bloßer Lehre hervor, sie verlangt Übung und Gewöhnung, ehe sie zur bewußt gewollten wird. Neben dem Unterricht hat daher die Schub Organisation solche soziale Übung zu pflegen. Dies geschieht in den das Gemeinschaftsgefühl, Hingabe, Verantwortlichkeit stärkenden Einrichtungen der Selbstregierung der Schüler, der Arbeitsgemeinschaften, Turnspiele, Wanderungen. (Kerschensteiner: Grundfragen der Schulorganisation: Die Neugestaltung des gewerblichen Schulwesens in München.) In gleicher Weise machten die stark geänderten Wirtschaft־ liehen und sozialen Veihältnisse eine Umgestaltung der Mädchen- Fortbildungsschule notwendig. Bei der eminenten Bedeutung der

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