Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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47 des Willens ihre Grundlage hat. So sind es nicht die sittlichen Werte, die sich und ihre Rangordnung dem sittlichen Erkennen enthüllen, sondern werden die Werte selbst von der Einheit schaffen־ den Vernunft als sittliche Werte erst begründet. Der Gefahr des Formalismus entgeht diese apriorische kon־ struktive Ethik nur dadurch, daß Cohen und Natorp durch die Wucht ihrer sozialethischen Gesinnung zur Verbindung der for־ malen Ethik mit der Ethik des Sozialismus geführt werden. Völlig unmöglich aber ist es, von einer so konstruktiven Grundlage, wie es das Formalprinzip des Neukantianismus ist, eine Sozialpädagogik aufzubauen. Die Gliederung der Entwicklung des Willens in Trieb, Willen und Vemunftwillen will zwar eine methodisch-logische, keine psychologische sein. In Wahrheit aber wird hier, wie so oft, die konstruktive Ethik durch eine empirische Psychologie und eine konkrete Werterkenntnis in ihrem Aufbau getragen. 3.Die Begründung der Pädagogik auf die Sozialphilosophie ordnet das Bildungswesen in das kulturelle Leben des Volkes ein. Wie die staatsbürgerliche Gesinnung das Fundament des modernen Volksstaates ist, ist es Aufgabe der Erziehung, in der heranwachsen־ den Generation den Willen zur ethischen Volksgemeinschaft immer von neuem zur Entfaltung zu bringen. Darum fordert Natorp eine Schulorganisation in nationalem Geist, die alle Glieder des Volkes erfaßt und in dem einheitlichen Erziehungswerk der Ein־ heitsschule die nationale Einheit zur Geltung bringt. Dies besagt nicht ein falsches Hinwegsehen über die natürliche Ungleichheit der Schülerbegabungen, wohl aber ein Nichtanerkennen anderer als pädagogischer Gründe für die Differenzierung der den Schülern zuteil weidenden Bildung. Diese Differenzierung aber betrifft nur die verschiedene berufliche Ausbildung, die den verschiedenen Begabungen entspricht. Hingegen muß die menschheitliche Bildung der Grundschule allen in gleicher Weise zugänglich sein. So unangreifbar das nationale Prinzip der Schulorganisation ist, das Natorps Sozialpädagogik zugrunde liegt, so müssen doch gegen zwei seiner Forderungen Bedenken erhoben werden: 1. darf die Einheit der nationalen Schulorganisation die notwendige kon־ fessionelle Sonderung nicht unberücksichtigt lassen, wenn nicht die konfessionelle religiöse Erziehung beeinträchtigt werden soll. Gewiß würde es die Einheit des nationalen Erziehungswesens verstärken, wenn auch eine religiöse Einheit innerhalb der Nation bestände; aber die Einheit der religiösen Überzeugung darf nicht künstlich vorgetäuscht werden, wenn doch in Wirklichkeit alles