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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 58

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--57-2727433
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46 Zu dieser Kulturphilosophie, deren Teil die Sozialpädagogik ist, Stellung zu nehmen, erfordert eine Auseinandersetzung mit dem gesamten Neukantischen System. Wir haben eine solche Auseinandersetzung an anderer Stelle, (zuletzt in dem demnächst erscheinenden Werk: Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts) vorgenommen. An dieser Stelle soll nur dargelegt werden, an welchen Positionen des Neukantianismus unseres Erachtens eine solche kritische Stellungnahme anzusetzen hat: Das ist 1. die neukantische Isolierung der Wissenschaft von der Wirklichkeit, die ihr Objekt ist, und die Voraussetzung, daß die erkenntnistheoretische Analyse der Wissenschaft allein auf die Methode zu richten sei, in der der Erkenntnisgehalt begründet wird. Als wenn die Methoden der wissenschaftlichen Disziplinen souveräne Schöpfungen des konstruktiven Geistes und nicht vielmehr Zurüstungen des Geistes wären, um die existierende Wirklichkeit in der Fülle ihrer Qualitäten und Relationen zur Erkenntnis zu bringen. Gewiß, daß in den Methoden der Wissenschaft der Gegenstand der Erkenntnis in verschiedener Weise aufgefaßt und dargestellt wird. Aber die Differenzierung der wissenschaftlichen Methoden ist nicht Willkür des reflektierenden Denkens, sondern entspringt dem Bemühen, die verschiedenen Seiten der Wirklichkeit zur Erkenntnis zu bringen. So unterscheiden sich Physik, descriptive Naturwissenschaft, Biologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft prinzipiell in ihren Methoden gemäß der Verschiedenheit der Gebiete der Wirklichkeit, die in diesen Disziplinen zur Erkenntnis zu bringen sind. Der Neukantianismus gemäß seiner Identifizierung der Natur mit der mathematischen Physik führt zu einem mathematischen Monismus der gesamten Naturerkenntnis und zu einer Beeinträchtigung der methodischen Grundlagen der nicht-mathematischen Wirklichkeitserkenntnis, insbesondere der Erkenntnis der organischen Natur und des psychischen Lebens. So bestreitet auch Natorp die objektive Bedeutung des Zweckprinzips für die Biologie und für die Psychologie, um sie beide dem mechanistischen Gesetzesbegriff der Physik unterzuordnen. 2. Die gleiche Wendung vom Gegenstand der Erkenntnis zur Methode seines logischen Aufbaus führt die neukantische Ethikzu einer überscharfen Betonung des Autonomie-Prinzips in der Ethik. Auch hier ist es nicht die Einsicht in die objektiven sittlichen Werte, die nach dem Neukantianismus das sittliche Bewußtsein ausmacht, sondern soll die sittliche Einsicht eine systematische Erkenntnis sein, die im Prinzip der formalen Einheit

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