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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 57

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--56-2727432
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45 Unendlichen machen und so den ,,aufrichtigen Schein“ verletzen. Diese Wandlung der Religion von der Transzendenz zur Immanenz, zur Religion innerhalb der Grenzen der Humanität entspricht ihrem Wesen. Sie ist zur Grundlage des Religionsunterrichts zu machen. Religion kann nur als etwas Eigenes, nicht als bloßer Bestandteil oder Anhang der Sittenlehre für die Erziehung fruchtbar gemacht werden. Die Religion der Transzendenz widerspricht der kritischen Einsicht und kann daher nicht ohne Vergewaltigung der Gewissensfreiheit gefordert werden. Nachdem sich aber eine Möglichkeit gezeigt hat, den menschlichen Kern der Religion festzuhalten und nur den unhaltbaren Anspruch der Transzendenz abzulehnen, darf die Religion in diesem Sinne als Religion der Humanität zum Gegenstand des obligatorischen Unterrichtes gemacht werden. (Natorp: ebda., S. 344 ff.) Was nun den Religionsunterricht im besonderen betrifft, so kommen auch für ihn die drei Stufen menschlicher Bildung in Betracht. Die unterste ist die des naiven Kinderglaubens. Von dogmatischer Verhärtung oder von irgend einer sittlichen Gefahr kann auf dieser Stufe keine Rede sein. Das Kind hat an diesen schlichten, ganz im Bereiche des Menschlichen verbleibenden Vorstellungen einen Gemütshalt, den man ihm nicht rauben oder durch altkluge Kritik verleiden sollte. Man kann dem Kinde keine andere Religion als die kindliche und also menschliche geben. Die eigentliche Krisis der religiösen Bildung gehört der zweiten Stufe an. Es ist nicht so ganz selten, daß schon der heran wachsende Knabe die Wegscheide zum Dogma einerseits und seiner Negation andererseits vor sich sieht. Darum sind auf dieser Stufe zwar die religiösen Begriffe zu entwickeln, denn man soll sie kennen, selbst um sie später verwerfen zu dürfen; aber es ist in keiner Weise für sie Partei zu nehmen. Nichtsdestoweniger aber sind die religiösen Begriffe nicht in absichtlicher Kälte und Gleichgültigkeit zu behandeln, sondern so, daß der den religiösen Begriffen zu Grunde liegende Gefühlsgehalt empfunden werde. Zuletzt freilich muß eine feste Stellung zur Religion errungen werden. Dies ist das Ziel der dritten Stufe, der Stufe der autonomen Kritik. Und das Ziel kann nur sein die Abklärung der Religion zur Ideenerkenntnis. Was als echter Gehalt der Religion festgehalten werden soll, ist die Hingabe an die Idee der Menschheit. Durch sie wird das Ziel der imendlichen sittlichen Aufgabe zum unmittelbaren Leben des Individuums und die sittliche Arbeit von der Seligkeit des Glaubens getragen.

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