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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 56

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--55-2727431
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44 wissenschaftlicher Geltung. Erst auf einer bestimmten Stufe nicht sowohl der Religion, als der Wissenschaft kommt es zu religiöser Begriffsbildung. Aber die Wissenschaft beweist die Unmöglichkeit solcher transzendenter Begriffe. Damit fällt nicht die Wahrheit der Religion, nur der unwahre Anspruch religiöser Vorstellungen auf objektiven Erkenntnis wert. Dagegen behalten sie ihren Wert als Halt des Gefühles. Eine theoretische Behauptung von Wirklichkeit ihrer Objekte aber hieße die Gesetze des erkennenden Bewußtseins angreifen. Religion will gar nicht Er־ kenntnis, sondern unmittelbares Erlebnis sein. Es hat keinen Sinn, eine andere Wirklichkeit unmittelbar im Gefühl erleben zu ,wollen, als die Wirklichkeit des Gefühls selbst. Die religiöse Vor- Stellung ist rechtmäßiger Weise nur Gefühlshalt, nur Aussprache des Gefühls. Es ist wadersinnig, für dieses Gefühlserlebnis noch eine Wirklichkeit verschieden von der Wirklichkeit des Gefühls־ erlebnisses selbst zu verlangen. (Natorp: ebda., S. 328 ff.) Stark religiöse Naturen haben auch stets die Unzulänglichkeit jedes Dogmas empfunden. Man macht mit der Innerlichkeit der Religion Emst, wenn man den Wegfall jeglicher Dogmatik fordert. Jede Gottesvorstellung ist unvermeidlich anthropomorph. Jedes einzige göttliche Attribut ist nur einemensch־ liehe Eigenschaft zur Absolutheit erhoben; die Idee der Gottheit ist das Universum des Menschentums. Somit ist die religiöse Vorstellung nur unverwerflich als Symbol der Menschheit. (Natorp: ebda., S. 337 ff.) Auch für das Sittliche fällt die religiöse Dogmatik fort. Der Ansprach des unmittelbaren Ergreifens des sittlichen Heils, die Überzeugung, daß man seine ,,Rechtfertigung" und ,,Versöhnung", die Wiederherstellung seiner Gotteskindschaft in begnadeter Stunde in der Seele unmittelbar erlebe, ist nicht haltbar. Die Wucht der Schuld müssen war weiterschleppen und ihr in harter Arbeit ein reelles Gegengewicht schaffen; eine andere Erlösung gibt es sittlicher Weise nicht. Arbeit ist Menschenlos, ein Streben sonder Rast zum ewig fernen Ziel. Im Gefühlsgrunde der Religion aber liegt die Kraft zu t r a u e n auf die Lösbarkeit der sittlichen Aufgabe, allen zum Trotz. Dieses Zutrauen aber braucht keinen anderen objektiven Grund als das Sittengesetz selbst. Die Größe dieser Erkenntnis erfüllt unsere Seele mit dem Gefühl: hier ist das Heil und es ist dir errungen, wenn du es nur in deiner Seele fest־ halten, ״glauben" wolltest! Die religiöse Symbolik mag ihre Bedeutung unverkürzt behalten, nur nicht aus den Zeichen der Idee eine Gegenwart des

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