Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2721061--54-2727430
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 Für die höhere Schule, die wiederum einen Kursus von sechs Jahren umfaßt, ist um der Berufsteilung willen, zu der sie vorzubereiten hat, eine Mehrheit von Schulgattungen unerläßlich. Namentlich wird eine Scheidung nötig sein zwischen der Vorbereitung zu studierten Berufen einerseits, gewerblichen Berufen andererseits. Für die ersteren dürfte an dem Ideal des neuhumanistischen Gymnasiums festzuhalten sein d. h. an der Verbindung des Studiums der klassischen Sprachen und der mathematischnaturwissenschaftlichen Fächer. Für die gewerblichen Berufe dagegen ist eine Gewerbe- und Realschule notwendig, die mit einem Grundstock der für alle obligatorischen Fächer eine möglichst reiche Fülle von Fachkursen verbände, zwischen denen die Wahl durch den Beruf, für den man sich entscheidet, bestimmt wäre. Die Anfänge der beruflichen Ausbildung (Lehrjahre) ließen sich mit diesen Fachkursen verbinden. (Natorp: ebda., S. 212 ff.) Nun aber ist die Vollendung menschlicher Bildung auch mit dieser Schule nicht geleistet. Wir sollen immer Lernende bleiben, gemäß dem unbeschränkten Vermögen der Selbstbildung. Demzufolge wird, nachdem durch Schule und Haus ein fester Grund gelegt ist, das Weitere Wille freier Bildungstätigkeit sein, die aber nicht der Organisation zu entbehren braucht. Eine solche ist die Volkshochschule. Ihre Aufgabe ist zur freien Erkenntnis der Autonomie der Kultur zu erziehen. Außer diesem Unterricht, der in freien Arbeitsgemeinschaften erfolgt und die philosophische Ethik zum Hauptgegenstand hat, wird aber auch zu geordnetem Zusammenleben anzuregen sein. Die Vergemeinschaftung und Versittlichung des ganzen Lebens, die Erziehung zur Freiheit soll die Idee der Volkshochschule sein. (Natorp: ebda., S. 215 ff. und S. 259 ff.) Welchen Anteil hat nun der Religionsunterricht an dieser Organisation der Bildung? Die Antwort erfordert eine Erörterung des Wesens der Religion. Religion hat ihren Ursprung im Gefühl. Im Unterschiede aber von der ästhetischen Gestaltungskraft, die gleichfalls eine nahe Beziehung zum Gefühl hat, ist es die Eigenheit des religiösen Gefühls, über alle objektivierende Gestaltung hinauszugehen in der Unmittelbarkeit innerlichen Lebens. Aller Hang zur Transzendenz, die von Religion für untrennbar gehalten wird, bedeutet nichts anderes als die reine Innerlichkeit des Gefühls und ihr Hinausgehen über alle endliche Gestalt. Ursprüngliche Religion kennt kein Dogma. Sie hat Vor- Stellungen des Göttlichen, aber ohne irgend welchen Anspruch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.