Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2721061--52-2727428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 vermag sie nur dadurch, daß sie den Unterricht in die Mitte stellt und die Erziehung scheinbar wenigstens ihm unterordnet. Die Erhebung vom Trieb zum Willen beruht auf der Konzentration des Bewußtseins. Diese gibt erst der anfangs blinden Tendenz die Richtung auf ihr Objekt. Das ist eine an sich logische, noch nicht ethische Leistung. Aber das Denken nach dem Gesetz, das Denken des Gesetzes lehrt nicht blos richtig denken, es lehrt richtig denken wollen. Es lehrt dies, indem es in der Kraft des logischen Bewußtseins, in der Gedankenkonzentration die Kraft zu wollen entwickelt. So mag man von ,,erziehendem Unterrieht“ reden. (Natorp: ebda., S. 207.) Darum kommt grade den Unterrichtsfächern eine besondere Wichtigkeit zu, die den Charakter des Intellektuellen am reinsten darstellen: Mathematik und mathematische Naturwissen־ schaft. Haben diese auch dem Stoffe nach zum Willen keine direkte Beziehung, so dienen sie desto mehr der Disziplin des Geistes auch in der praktischen Bedeutung der Willensherrschaft in der Erkenntnis. Sie erziehen zum Gewissen der Wahrheit. In dieser Hinsicht darf sich der Sprachunterricht nicht mit dem mathematischen vergleichen, wie wichtig er als natürlicher Konzentrationsmittelpunkt alles aufs Kulturkundliche und Geschichtliche bezüglichen Unterrichtes ist. Auch der Geschichtsunterricht aber muß intellektuellen Charakter haben, auch hier darf nicht die Erzählung, sondern die Erforschung des gesetzlichen Zusammenhanges im Mittelpunkt stehen. Klare Begriffe, gegründetes Urteil müssen das Ziel auch des Geschichtsunterrichtes sein, und erst in zweiter Linie der Vortrag, der Begeisterung weckt. Wohl kommt dem Geschichtsunterricht eine hohe ethische Bedeutung zu, indem er nicht nur Kausalforschung ist, sondern zugleich die sittliche Idee der Menschheit in das Bewußtsein erhebt, die der Sinn alles geschichtlichen Lebens ist. Aber diese sittliche Idee der Menschheit muß im Leben der Gemeinschaft als Grundläge wirken, um im Geschichtsunterricht verstanden zu werden. Ernstes Besinnen und unbestechliche Wahrheitsliebe müssen der Kern des Geschichtsunterrichtes sein. Das absichtliche Betonen der ,,Gesinnung“ stumpft den Sinn dafür ab. Die universalgeschichtliche Übersicht ist nur als chronologisches Gerüst ohne ethische und ästhetische Zutat, trocken wie ein Paradigma zu geben. Es soll empfunden werden, daß sie nur der Rohbau zu langwährender Ausführung ist. Dagegen soll eine gründliche bis zu den Quellen führende Einführung das Verständnis einiger vorzüglich wichtiger Perioden erschließen. (Natorp: ebda., S. 282 ff.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.