Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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37 der blinden Herrschaft der Triebe frei und wählt seine Gegenstände nach Maßgabe seiner Einsicht, ist praktische Objekt- Setzung im Vorsatz des Willens. Wille ist somit konzentrierter Trieb, konzentriert durch die einigende Kraft des Bewußtseins, die die Objektssetzung des Willens begründet. Diese Objekts- Setzung aber braucht noch nicht vernünftige Objektssetzung zu sein. Sie gewährt erst der Vernunftwille. Für diesen ist das reine Formgesetz des Willens maßgebend. Wie Wille konzentrierter Trieb, ist Vemunftwille höchste Konzentration des praktischen Vermögens überhaupt. (Natorp: ebda., Sa. 63 ff.) Diese Entwicklung des Willens vom Trieb zum Vernunftwillen aber ist dem Menschen nur in der menschlichen Gemeinschaft möglich. Das Gesetz der Vernunft ist nicht das Gesetz eines Individuums als solchen, sondern wie für alle geltend, so das Gesetz der Gemeinschaft. Wie es überhaupt die Funktion des Bewußtseins ist, Einheit zu stiften, so muß das praktische Gesetz der Vernunft sich bewähren in der Anwendung auf das Leben der Gemeinschaft. Erst in dieser Anwendung auf das Leben der Gemeinschaft entdeckt sich das Gesetz der Gemeinschaft und das Selbst der Persönlichkeit. Darum muß die Theorie der Willenserziehung an die Gemeinschaft,in welcher der Einzelne steht, anknüpfen. Diese Auffassung von der Aufgabe der Erziehung will die ,,Sozialpädagogik“ zum Ausdruck bringen. Sie will hervorheben, daß die Erziehung sozial bedingt ist. Die sozialen Bedingungen der Bildung und die Bildungsbedingungen des sozialen Lebens sind das Thema dieser Wissenschaft. (Natorp: ebda., S. 79.) Darum darf die Sozialpädagogik der Frage nach den Grundgesetzen des Gemeinschaftslebens nicht aus weichen. Das Leben der Gemeinschaft baut sich auf dem Zusammenwirken der Individuen auf. Dem Beispiele Platons folgend, ist die Idee der wahren Gemeinschaft in Analogie zur Idee der ethischen Personlichkeit zu gewinnen. Diese Ableitung der Tugenden der Gemeinschaft aus der Idee der Persönlichheit ist aber nicht psychologisch gemeint, wie die Dreiteilung des praktischen Bewußtseins in Trieb, Wille und Vemunftwillen nicht eine psychologische, sondern eine systematische Gliederung sein will. (Natorp: ebda., S. 88.) Auf seiten des Individuums ergibt sich ein System folgender Grundtugenden: Da im vernünftigen Wollen überhaupt die Sittlichkeit besteht, ist die erste der individuellen sittlichen Tugenden die Tugend der Vernunft. Sie begründet die Sittlichkeit nach