Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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35 ein Selbstbewußtsein nicht in Frage kommt, also in der Betrachtung der materiellen Natur, ist der Zweckbegriff nur hineingetragen; er läßt sich ausscheiden und die rein kausale Betrachtung bleibt zurück. (Natorp: Sozialpäd. S. 10.) Damit tritt die Analyse des Zweckbegriffs auf das Feld des Selbstbewußtseins. Aber dieses Selbstbewußtsein ist nicht identisch mit dem Ablauf der psychischen Prozesse im Individuum oder in der menschlichen Gattung. Denn die Erkenntnis dieser psychisehen Prozesse ist gleichfalls nur Erkenntnis ihrer gesetzlichen Ordnung und gleichsam die Innenansicht desselben Materials, dessen Außenansicht die Natur ist. So ist auch die Psychologie nicht die Heimat des Zweckbegriffes. Erst wenn wir die Wissenschaft selbst nach ihrem Grunde und Recht prüfen, also in der Erkenntnistheorie erschließt sich uns mit der Rechtfertigung der Grundlagen der Erkenutnis die Rechtfertigung des Zweckbegriffs oder der Idee. Die Erkenntnistheorie erweist, daß nicht Tatsachen oder Erfahrung die logische Grundlage der Erkenntnis sind, sondern die logische Einheit der Erkenntnis die Grundlage der Tatsachenerkenntnis bildet. Der Begriff des Gegebenen ist im Grunde nur der Ausdruck der Forderung, daß die Verknüpfung der Denkbestimmungen und damit das Gedachte vollständig determiniert sei. Die Gesetzlichkeit der Verknüpfung also bestimmt erst die Tatsache, nicht wird die Verknüpfung durch eine voraus gegebene Tatsache bebestimmt. Für die Erkenntnis ist nichts bestimmt, was nicht sie selbst bestimmt hat. (Natorp: ebda., S. 27.) Daraus aber ergibt sich die Folge, daß die Determiniertheit der Tatsache, die man für das ursprüngliche Datum hielt, zur unendlichen, nie abschließend lösbaren Aufgabe wird. Absolute Tatsachen gibt es nur für eine absolute Erkenntnis. Die Idee der systematischen Einheit der Erkenntnis aber bestimmt jeden Schritt der Erkenntnis, gibt die Richtung des wissenschaftlichen Fortschritts, der in immer umfassenderen Synthesen besteht. So begrenzt und richtet die Idee der absoluten Erkenntnis alle bedingte Erfahrungserkenntnis, die in unendlicher Annäherung an jene begriffen ist. Erfahrungserkenntnis aber oder Naturerkenntnis ist nur eine Art der Erkenntnis. Ist diese die Erkenntnis des Seienden, so gibt es auch eine Erkenntnis des Sein-Sollendend. i. eine Erkenntnis der Ziele, die der Wille als objektive Aufgaben zu verwirklichen hat. Welches sind diese Ziele? So wie die Gesetzlichkeit des Seienden nicht aus den Tatsachen, sondern die Tat-