Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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34 Ein systematischer Überblick über die Grundlehren des Judentums führt zu ihrer philosophischen Begründung. Auf allen Stufen des Unterrichtes ist auf die Verknüpfung des religiösen Kulturgutes mit dem Kulturgehalt der anderen Lehrfächer besonderes Gewicht zu legen. Je nach der Gattung der Schule und ihren charakteristischen Fächern wird auch diese Verbindung eine verschiedene sein müssen. Nur so aber vermag der jüdische Religionsunterricht mit den Bildungsaufgaben der Schule eine innerliche Einheit zu bilden. 3. Natorp: Die Einheitsschule. Haben wir die philosophischen Voraussetzungen der Herbart־ sehen Pädagogik nur skizziert, so erfordert die N a t o r p sehe Sozialpädagogik eine innigere Beziehung auf ihre philosophischen Grundlagen. Denn gerade der Neukantianismus, zu dessen Führern Natorp gehört, legt entscheidenden Wert auf die systematische Geschlossenheit seiner Kulturphilosophie. So läßt Natorp in seiner ,,Sozialpädagogik“ dem eigentlichen pädagogischen Teil die Grundlegung der Pädagogik in Logik, Ethik und Sozialphilosophie vorangehen. Bereits das Wort Erziehung besagt, daß menschliche Bildung Willenssache ist. Es wird damit, ohne in Abrede zu stellen, daß Bildung innere Entfaltung gegebener Anlagen sei, hervorgehoben, daß die mitwirkende Tätigkeit der Erziehung unerläßlich ist. So ist Erziehung planvolle Einwirkung auf die Entwicklung des jungen Menschen. Was gibt das Recht zu dieser Einwirkung, und da die Einwirkung eine planvolle ist, ,was gibt das Recht, die Entwicklung des jungen Menschen nach einem Plane, einem Zweck oder einer Idee zu lenken? Es ist allerdings sehr geläufig, auch das Werden der Naturformen, das Wachstum der Organismen unter dem Begriff eines Zieles, das erreicht wird, d. i. einer Idee zu denken. Für die Biologie aber besagt Entwicklung nur das Maximum der Leistungen, zu dem eine bestimmte Organisation nach den vorliegenden Bedingungen fähig ist und enthält keinerlei ,,Soll“, das der objektive Bestimmungsgrund dieser Entwicklung wäre. Natur hat keine Zwecke, nur wir schreiben sie ihr zu, weil wir uns Zwecke setzen und geneigt sind, Natur nach menschlicher Analogie vorzusteüen. So ist der Grund des Zweckbegriffes nicht in der Natur, sondern in uns selbst, in der Art zu suchen, wie wir uns selbst denken. Selbstbewußte Entwicklung allein vermag sich zu denken unter der Idee eines Zieles, das sie erreichen sollte. Wo dagegen