Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2721061--44-2727420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

33 aber ist nicht nur Entwicklung persönlicher Frömmigkeit, sondern Erziehung zur lebendigen Teilnahme am religiösen Gemeinschaftsleben. Da aber diese Teilnahme nicht äußerlich erzwungen, sondern Auswirkung der religiösen Gesinnung sein muß, wird auch für den Religionsunterricht die Herbartsche Forderung der geschiehtliehen Methode anstelle der dogmatischen anerkannt werden müssen. Denn nur die geschichtliche Methode führt zu lebendiger Einsicht in das Werden und in die Wahrheit der religiösen Über- Zeugungen der Glaubensgemeinschaft. Für den j üdischen Religionsunterricht ergibt sich, daß gemäß der geschichtlichen Methode die Bibel und die jüdische Geschichte, die in der Religion ihren Lebensgrund hat, Kern des Religions- Unterrichtes sein müssen. Im Einzelnen wird der Lehrplan des jüdischen Religionsunterrichtes im Gegensatz zur Forderung der Herbartschen Schule nicht die ersten Schuljahre ohne Berührung mit jüdischem Geist verstreichen lassen, sondern gerade das Kindergemüt mit der Innigkeit, Schönheit und Frömmigkeit der biblischen Erzählungen zu erfüllen suchen. Für die weitere Gestaltung des Lehrplanes ist entscheidend, ob der Unterricht in konzentrischen Kreisen oder in kontinuierlicher Darstellung der jüdischen Geschichte erfolgen soll. Da die Eigenart des religiösen Stoffes in seiner tieferen Bedeutung sich dem Schüler erst mit zunehmender Reife erschließt, dürfte sich die Methode der konzentrischen Kreise empfehlen, obwohl - hierdurch eine Wiederholung des Stoffgebietes in Mittel- und Oberstufe notwendig wird. Demzufolge wird die Mittelstufe den Entwicklungsgang der jüdischen Religion und der jüdischen Gemeinschaft vom babylonischen Exil bis zur Gegenwart darzulegen haben. Die mannigfachen Gestaltungen des Judentums in seiner Entwicklung vom prophetischen Judentum zum Judentum des Religionsgesetzes und zu den religiösen Richtungen der Neuzeit, die Schicksale des jüdischen Volkes und der Heroismus seiner Selbstbehauptung sind an klassisehen Repräsentanten zum Verständnis zu bringen. Die Oberstufe hat die Entwicklung des Judentums in vertiefter Erkenntnis deutlich zu machen. Die Darstellung des biblisehen Zeitalters wird mit einer vergleichenden Darstellung der Religionen des Altertums verbunden werden, um die Eigenart der jüdischen Religion zur Geltung zu bringen. Die Darstellung der nachbiblischen Geschichte hat die einzigartige Schicksals- und Geistesgeschichte des jüdischen Volkes als des Volkes zwischen den Völkern zu erhellen. Die Geschichte der Neuzeit gibt ein Verständnis für die Synthese von Judentum und europäischer Kultur.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.