Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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32 bringen, ohne in der Geschichte des eigenen Volkes den natürliehen Ausgangs- und Mittelpunkt aller geschichtlichen Bildung zu sehen; 4. Ist das Ideal der allgemeinen Bildung bei der Differenzierung der modernen Kultur in Wirklichkeit undurchführbar und führt meistens nur zu einem oberflächlichen encyklopädischen Wissen unverarbeiteter Tatsachen der allgemeinen Kulturgeschichte. So hat die höhere Schule eine Unterscheidung der verschiedenen Gattungen der Kulturgüter vorgenommen, von denen jeweilig eine Gattung in den Mittelpunkt der ihr dienenden höheren Schule tritt. In dieser Einschränkung der Bildungsaufgaben gemäß der Differenzierung der Höheren Schulen in Gymnasien, Real-Gymnasien und Oberrealschulen wird aber der Unterricht nicht auf Konzentration des Lehrplanes um die kulturkundlichen Fächer verzichten und damit auf einem wesentlichen Grundsatz der Herbartschen Pädagogik erbaut sein. Im Mittelpunkt der kulturkundlichen Fächer der höheren jüdischen Schule werden als Kernfächer die jüdische Kultur und die Kultur des HeimatsVolkes stehen, dem wir angehören. Als charakteristische Fächer werden vor allem neuere Sprachen und die naturwissenschaftlichen Fächer gepflegt werden. Diese aber nicht bloß um ihrer praktischen Bedeutung willen, sondern als Tore zum Verständnis und der Teilnähme an der europäischen Kultur. Die Methode des Unterrichtes wird entsprechend den Methoden der Arbeitsschule zu gestalten sein. Für den Religionsunterricht ergibt sich, daß ihm als kulturkundlichem Fach die ihm von der Herbartschen Pädagogik zugewiesene Stelle im Zentrum des gesamten Unterrichtes gewahrt werden muß. Allerdings wird sich der Religionsunterricht seiner Aufgabe bewußt werden müssen, nicht nur ein Fach neben anderen zu sein, sondern die Lebensgrundlage darzubieten, von der aus alle kulturelle Arbeit die höchste Zielrichtung gewinnt. Ohne die überweltliche Richtung der religiösen Energie zu schwächen, wird der Religionsunterricht stärker als bisher die Verbindung zwischen dem Gebiet des religiösen und des allgemeinen kulturellen Lebens aufzuweisen haben. Von der kulturellen Höhe und Weite des Religionsunterrichtes ,wird seine Geltung im Organismus des modernen Unterrichtes abhängen. Der spezielle Zweck des Religionsunterrichtes aber muß Ent- Wicklung der religiösen Energie am Kulturgut der konfession e 11 e n Religion sein. Denn nur der konfessionellen Religion eignet die Tiefe und Kraft religiöser Charaktere, die religiös erzieherisch wirken können. Die Aufgabe des Religionsunterrichtes