Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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31 tualistische und mechanistische Charakter des Herbartschen Systems auch in seiner Pädagogik, indem es der Unterricht ist, dem durch die Bildung des Gedankenkreises die Aufgabe der Formung der Persönlichkeit zufällt. Doch zwingen die Tatsachen Herbart, in Regierung und Zucht Faktoren zu erblicken, die in unmittelbarer Wirkung auf Gefühl und Willen den sittlichen Einfluß des Unterrichtes unterstützen. Und auch nicht jedem Unterricht kommt ja nach Herbart die erziehliche Bedeutung zu, sondern nur einem solchen, bei dem die Gesinnungsfächer die konzentrierenden Mittelpunkte des Unterrichtes sind. So treten grade die kulturkundlichen Fächer, die nicht allein intellektuell, sondern aus lebendigem Mitfühlen und Mitwollen heraus verstanden werden müssen, in den Mittelpunkt des Lehrplanes. Wohl wird man fragen müssen, ob der Unterricht selbst unterstützt von Regierung und Zucht und getragen vom Gesinnungsunterricht, das hinlängliche Mittel zur Erziehung des Charakters ist, ob nicht vielmehr der Aktivität des Zöglings grade auf dem Gebiete der sittlichen Willensbildung ein größerer Spielraum der Selbstbetätigung und Selbstverantwortung eingeräumt werden muß, und ob eine solche Freiheit der Betätigung nicht für alle emotionale Bildung notwendig ist. Wir werden sehen, wie Kerschensteiner zu diesen Problemen Stellung nimmt. Jedenfalls aber wird man den Grundsatz der Herbartschen Pädagogik nicht bestreiten können, daß der Unterricht ein wesentliches Mittel der Erziehung ist, und daß grade dem Unterricht in den kulturkundlichen Fächern das Schwergewicht einzuräumen ist. Hat aber Herbart das humanistische Ideal der allgemeinen kulturellen Bildung vor Augen, wenn er die Forderung der Vielseitigkeit der Interessen im Lehrplan der höheren Schulen berücksichtigt sehen will, so hat dieses Ideal der allgemeinen Bildung aus mehrfachen Gründen seine Geltung verloren: 1. Dieses Ideal ist Ausdruck der ästhetisch-philosophischen Bildungsepoche, in welcher Universalität der Bildung die geschichtlichnationale Erziehung der Persönlichkeit in einem Ideal konternplativer Weltbetrachtung außer acht ließ; 2. Träger dieser allgemeinen Bildung ist das vielseitig gebildete Individ u u m, das sich als Individualität zu persönlicher Vollendung bringt, ohne sich seiner Verwurzlung in seinem Volk und seiner Zeit und deren unmittelbaren geschichtlich-kulturellen Aufgaben bewußt zu werden; 3. Diesem Ideal entsprechend ist es nach Herbart Aufgabe der kulturkundlichen Fächer den Gang der Entwicklung der Menschheit dem Schüler zum Bewußtsein zu