Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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30 klären. Desgleichen bleiben die Qualitäten der Gefühls- und Willensakte, der ganze Gehalt des seelischen Strebens, Wollens, Erlebens, Schaffens völlig dunkel ohne Anerkennung der teleologischen Struktur des seelischen Lebens, das in der Einheit der Persönlichkeit wurzelt und sich entfaltet. (Vergl. die Grundlegung der modernen Psychologie in W. Stern: Person und Sache; Spranger: Lebensformen; Müller-Freienfels; Philosophie der Individualität.) Indem aber die Herbartsche Psychologie auch die Grundlage seiner Ethik ist, verliert mit der Negation der Mechanisierung des Vorstellungsablaufes auch die Herbartsche Ethik ihre Geltung. Sind Fühlen und Wollen für Herbart nur die passiven Begleitzustände des Kräftespieles der Vorstellungen, dann ist wie für die intellektuelle, so für die ethische Selbstbesinnung kein Raum, Weder gibt es dann eine Erkenntnis ethischer Ideen als Riehtlinien des praktischen Handelns, noch die Fähigkeit ihnen entsprechend den Vorstellungsablauf, Gefühl und Willen zu bestimmen. Die Mechanisierung der Seele hebt alles sinnvolle Leben der Seele auf. Ein Wahres, Gutes und Schönes erschließt sich nur dem Bewußtsein, das in den Akten sinnvollen Denkens, Fühlens und Wollens sich über den blinden Ablauf seiner seelischen Zustände zum Erfassen, Erleben und Gestalten der Welt der Ideen zu erheben vermag. Hört aber der Mensch gemäß der mechanistischen Psychologie auf, ein autonomes, sich selbst bestimmendes Wesen zu sein, dann ist auch alle ethische Beurteilung seines Wesens unberechtigt. Damit aber verliert auch die Pädagogik grade gemäß der Herbartschen Auffassung der Erziehung ihr Ziel. Wohl ist es alsdann noch möglich, den Gedankenkreis des Zöglings so zu regulieren, daß ethisch wertvolle Gedankenmassen das Schwergewicht haben und den Vorstellungsablauf wie das sie begleitende Fühlen und Begehren bestimmen. Aber der durch diese Gedankenmassen geleitete Mensch ist ein Automat, nicht ein sein Tun sinnvoll durchdringender und beherrschender Mensch. Und woher nimmt der Erzieher, der dann der einzig wirklich lebendige Mensch wäre, selbst die Möglichkeit zu sittlicher Einsicht und Tat! Bedeutet nun diese Ablehnung der Herbartschen Psychologie, zumal bei ihrer Bedeutung für Ethik und Pädagogik auch die Verwerfung der Herbartschen Pädagogik? Hier nun zeigt sich in wie hohem Grade die Herbartsche Pädagogik trotz ihres innigen Zusammenhanges mit seiner Psychologie in ihrem selbständigen Werte gewürdigt werden kann. Allerdings zeigt sich der intellek-