Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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29 Maßnahmen der Zucht auf der Autorität des Erziehers und der Liebe der Kinder. Für ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler sind aber nicht allein die Unterrichtsstunden, sondern ebensosehr die Stunden der gemeinsamen Erholung, Schulspaziergänge, Schulfeierlichkeiten, Schulandachten von hervorragender Bedeutung. Hat man es erreicht, daß der Zögling seine sittliche Bildung als eine ernste, wichtige Angelegenheit betrachtet, so kann man es dahin bringen, daß die sittliche Wärme den ganzen Gedankenkreis des Zöglings durchdringe und die Vor- Stellung der sittlichen Weltordnung sich einerseits mit der religiösen Überzeugung, andererseits mit seiner Selbstbeurteilung verbinde. (Herbart: ebda., § 136 ff., Rein: Pädag., S. 555 ff.) So wirken Schulordnung, Lehrplan und die Maßnahmen der Zucht oder der Erziehungsplan einheitlich zum Zwecke der Er- Ziehung, der Charakterbildung. Man wird es verstehen, daß die Herbartsche Pädagogik durch ihre methodische Schärfe und Folgerichtigkeit auch heut, wo wesentliche Grundlagen des philosophischen Systems erschüttert sind, auf die Gestaltung der Lehrpläne und die Gliederung des Unterrichts einen starken Einfluß ausübt. Wie wir bei der Dar- Stellung der Herbartschen Pädagogik die philosophischen Voraus- Setzungen nur insoweit skizziert haben, als sie für das Verständnis der Pädagogik erforderlich sind, so wollen wir 1ms auch bei der Stellungnahme im wesentlichen auf die Pädagogik selbst beschränken und insbesondere ihre Bedeutung für die Gestaltung des jüdischen Religionsunterrichtes hervorheben. Erwähnt aber muß werden, daß nicht allein die Herbartsche Metaphysik der Realen, die die Welt der Erscheinungen erklären soll, ihre Anerkennung verloren hat, sondern auch seine Psychologie in ihren mechanistischen Grundlagen von der Psychologie der Gegenwart verlassen worden ist. Weder läßt sich der Ablauf der Vorstellungen in mechanistischer Weise als Ausgleich der einander hemmenden und diese Hemmungen überwindenden Vorstellungen erklären und so eine naturwissenschaftliche Statik und Dynamik der Vorstellungen entwickeln, noch das Gefühls- und Willensleben als Begleiterscheinung dieses pseudo-mechanischen Kräftespiels der Vorstellungen verstehen. Der Ablauf der Vorstellungen ist ohne Anerkennung determinierender Tendenzen von Ziel- Vorstellungen und ihnen zu Grunde liegender Trieb- und Willenskräfte, die logische Begriffsbildung ohne eine Anerkennung der synthetischen Funktionen des Intellekts anstelle der bloßen Anreihung und Verschmelzung in der ,,Apperzeption“ nicht zu er-