Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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27 die Methode zu finden, die die Aneignung des Lehrstoffes auf die Gesetze der psychischen Funktionen des sich entwickelnden jungen Menschen gründet, so hebt Herbart die psychologischen Momente hervor, welche für die Methode des Unterrichts maßgebend sein müssen. Waren bereits bei der Gestaltung des Lehrplanes die drei Stadien der jugendlichen Entwicklung, das Vorwalten der Phantasie, das Erstarken des Gedächtnisses, die Entwicklung des Denkens berücksichtigt worden, so sind es nun vorzugsweise die Begriffe der Vielseitigkeit des Interesses, der Vertiefung und Besinnung, der Klarheit, Assoziation, des Systems und der An- Wendung, die die Grundlagen seiner Methode der Formalstufen des Unterrichts bilden. Der letzte Zweck des Unterrichts liegt zwar in der Bildung des Charakters, aber das nähere Ziel, um diesen Endzweck zu erreichen, ist Vielseitigkeit des Interesses. Das Wort Interesse bezeichnet die Art von geistiger Tätigkeit, welche der Unterricht veranlassen soll, indem der Zögling nicht beim bloßen Wissen stehen bleibt, sondern das Gewußte zu erweitern sucht. ״Stumpfsinnige können nicht tugendhaft sem. Die Köpfe müssen geweckt werden/׳ (Herbart: Umriß pädagog. Voilesungen, § 64.) Der Einseitige nähert sich dem Egoisten, auch wenn er es nicht merkt, denn er bezieht alles auf den engen Kreis, für den er lebt und denkt. Darum ist Vielseitigkeit des Interesses Grundläge der Tugend. (Herbart ebda., § 65.) Die Vielseitigkeit des Interesses aber darf nicht zur Zer- Splitterung und Zerstreuung werden. Darum muß auf die immer neue Vertiefung in neue Gegenstände die Besinnung folgen, die das Mannigfaltige zur Einheit zusammenfaßt und in der Einheit des Bewußtseins die Einheit der Persönlichkeit gründet. Dieser Wechsel von Vertiefung und Besinnung muß wie Einatmen und Ausatmen den Gang des Unterrichts bestimmen. (Herbart ebda., § 66.) Dieser Gang des Unterrichts aber muß die Fassungskraft des Zöglings berücksichtigen. Darum muß die Darbietung des neuen Gegenstandes vorbereitet sein durch ein Paratmachen der bereits vorhandenen Vorstellungen im Gedankenkreise des Zoglings, die die Anknüpfungspunkte für die Apperzeption des neuen Gegenstandes bieten. Alsdann muß die Darbietung des Gegen- Standes selbst eine klare, anschauliche, Aufmerksamkeit und Interesse erregende sein. Ein jeder Abschnitt oder Einheit muß scharf und bestimmt hingestellt und zu völliger Klarheit gebracht werden, worüber die Nacherzählung der Schüler Gewißheit zu