Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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26 Die Rücksicht auf die psychologische Gestaltung des Religionsunterrichtes aber erfordert, daß der Religionsunterricht nicht verfrüht werde. Die biblischen Erzählungen entsprechen weder in Inhalt noch in Form dem kindlichen Standpunkt der ersten Schuljahre. Zuerst muß der heimatliche Gedankenkreis des Zöglings geklärt werden, bevor er zur frühesten, durch eine klassische Darstellung überlieferten Kulturentwicklung eines so merkwürdigen Landes, wie es Palästina ist, hingeführt werden darf. Entweder wird die Erzählung nach dem Wortlaut der Bibel gegeben, dann ist sie den Kindern unverständlich, oder sie wird verkindlicht und modernisiert, dann ist sie alles andere, nur keine biblische Erzählung. Daher stellt sich der Lehrplan der Grundschule zunächst auf den Standpunkt der natürlichen Religion, die dem ersten Kindesalter entspricht. (Rein ebda., S. 304 ff.) Von hier aus tritt erst im 4. Schuljahr der Unterricht im Alten Testament hinzu. Nachdem die theologische Forschung gezeigt hat, daß nicht in den Gesetzes- und Geschichtsbüchern, sondern in den tiefen religiösen und sozialen Gedanken der prophetischen Volksführer der Hauptwert des Alten Testaments zu suchen sei, sind die Propheten in den Lehrplan der Erziehungsschule einzustellen. Nach der Prophetie kommt das Neue Testament zur Darstellung und führt mit der Apostelgeschichte und den wichtigsten Ereignissen der Kirchengeschichte bis zur Reformation. Die weiteren Schicksale der Kirche übernimmt die Fortbildungsschule, die ihren Abschluß dann erst in der Konfirmation zu suchen hat, diese heut also an einer falschen Stelle steht. Die höheren Schulen führen das gleiche Thema im erweiterten Rahmen durch. (Rein ebda., S. 378.) Bei dieser Lehrplanskizze ist der Gedanke festgehalten, daß eine passende Auswahl von Quellenstücken in chronologischer Reihenfolge dem Unterricht zu Grunde zu legen ist. Dieser Unterrieht zeigt die Macht religiöser Vorstellungen für das persönliche Einzelleben wie für die Völkerentwicklung, hält sich aber davon fern, in dogmatischer Weise die Seele des Zöglings für ein kirchliches System gefangen zu nehmen. Damit erreicht er mehr, als jemals die Dogmatik zu leisten vermag. Denn deren Ergebnisse schwinden oft schon während der Schulzeit; an ihre Stelle tritt Widerwille und Abneigung gegen die Religion. Nächst der pädagogischen Gestaltung des Lehrplanes ist die Form des Unterrichts von Heibart und seiner Schule zum Gegenstand psychologischer Untersuchungen gemacht worden. Wie bereits Pestalozzi sein Hauptaugenmerk darauf richtete,