Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721061--35-2727411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 Unterrichts aber erfordert ein Herausheben der auf Gefühl und Willen wirkenden Momente der Bildungsstoffe. Darum muß 1. das Werden der menschlichen Kultur nicht allein chronologisch, sondern im Lichte der sittlichen Beurteilung dargestellt werden; 2. müssen klassische, der Jugend zugängliche Darstellungen der Betrachtung zu Grunde gelegt werden; 3. nur große, zusammenhängend auftretende Stoffe können die Teilnahme in genügender Tiefe erregen und so charakterbildend wirken; 4. die Entwicklungsstufen des jugendlichen Geistes sind zu berücksichtigen und ihnen die kongenialen Lehrstoffe zuzuweisen. (W. Rein ebda., S. 223.) Nur für die humanistisch-geschichtlichen Fächer verlangt Herbart den historischen Aufbau, während er ihn für die Naturerkenntnis ungereimt findet. Aus dieser Forderung des historischen Aufbaues hat Z i 11 e r die Folgerung gezogen, daß für jede Unterrichtsstufe und für jede Schulklasse ein Gedankenganzes, und zwar wegen des sittlich-religiösen Er- Ziehungszweckes ein Gesinnungsstoff als konzentrierender Mittelpunkt hingestellt werde. Dem Grundsatz der Konzentration entsprechend, gibt es nicht selbständige, in sich abgeschlossene Lehrfächer, wie sie der Fachunterricht kennt. Sondern alle Lehrfächer stehen im Dienste der sittlich-religiösen Charakterbildung des Zöglings. Die Auswahl und der Fortschritt der konzentrierenden Mittelpunkte ist so einzurichten, daß zugleich die Entwicklung des Zöglings und der Menschheit in ihnen berücksichtigt wird. Und zwar ist Ziller überzeugt, daß folgende Stoffe für die acht Schuljahre der Volksschule und im weiteren Rahmen für die Gjmmasien als konzentrierende Mittelpunkte anzusehen sind: 1. das epische Märchen; 2. die Erzählung des Robinson; 3. die Geschichte der Patriarchen; 4. die Richterzeit; 5. die Königszeit in Israel; 6. das Leben Jesu; 7. die Apostelgeschichte; 8. Die Reformationsgeschichte. (Ziller: Grundlegung zur Lehre vom erziehenden Unterricht, S. 427 ff., 455 ff.) Der Widerspruch gegen die Zillersche Konzentrationstheorie bezieht sich zumeist auf das Schematische und Mechanische, mit dem an den Gesinnungsunterricht der Gesamtunterricht angeschlossen werden sollte. Dadurch, daß Ziller heterogene Objekte mit einander zu verbinden suchte, entstand nur zu oft ein rein äußerlicher Anschluß, der die Kritik herausforderte. Um diesen Fehler zu vermeiden, empfiehlt daher Rein, den kulturhistorischen Aufbau für alle Lehrplanfächer durchzuführen, womit infolge der Gleichzeitigkeit der Kulturstufe die Konzentration von selbst gegeben ist. Die Hegemonie führe daher die historisch-