Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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22 ohne Unterricht; so wie ich rückwärts keinen Unterricht anerkenne, der nicht erzieht/‘ (I. F. Herbart, Allgemeine Pädagogik, W. W. ed. Hartenstein X, S. 11.) ,,Der Wert des Menschen liegt zwar nicht im Wissen, sondern im Wollen. Aber es gibt kein selbständiges Begehrungsvermögen, sondern das Wollen wurzelt im Gedankenkreise.“ (I. F. Herbart: Umriß pädag. Vorlesung. W. W. X., S. 209.) ,,Aber wie sein Gedankenkreis sich bestimme, das ist dem Erzieher alles, denn aus Gedanken werden Empfindüngen und daraus Grundsätze und Handlungsweisen.“ (I. F. Herbart: Allgem. Pädagogik W. W. X., S. 11.) Ist aber die Bildung des Gedankenkreises von solcher Bedeutung für die Bildung des Charakters, dann darf vom Unterrieht nichts ausgeschlossen sein, was vom lebendigen Interesse aufgenommen werden kann oder ein solches beim Zögling zu wecken versteht. Erfahrung und Umgang, Natur und Menschenweit sind die beiden Hauptquellen unserer Vorstellungen, die für den Unterricht nutzbar gemacht werden müssen, um Erkenntnis und Teilnahme zugleich zu entwickeln. Bilden daher Natur- Wissenschaft und Geschichte die beiden Hauptgebiete des Unterrichts, wobei zu ersterer auch Mathematik, zu letzterer auch Literatur und Religionsunterricht gehören, so erfordert der ethische Zweck des Unterrichts, daß der Geschichtsunterricht, im weiteren Sinne dieses Wortes, ״den Hauptgegenstand des gesamten Unterrichts in jeder Schule, welche die Bildung des ganzen Menschen übernimmt, vom Gymnasium bis zur Dorfschule, notwendig ausmache.“ (Herbart: Umriß pädagog. Vorlesungen. W. W. X., S. 198.) Der erziehende Unterricht ist also nur scheinbar intellektueller Natur, insofern er, um bis zu den Zentren des geistigen Lebens vorzudringen, durch die Gestaltung der Vorstellungswelt hindurchgehen muß. Indem er Anschauungen vermittelt, Vorstellungen aus ihnen festlegt und sie in Begriffen verdichtet, bewegt er sich innerhalb der intellektuellen Bildung. Da er aber in seinem Verlauf darauf bedacht ist, nicht nur klare, sondern auch lebendige Vorstellungsgruppen anzulegen, die sich mit warmen Gefühlen assoziieren, greift er tief in die Persönlichkeitsbildung ein, verfolgt er mit der Überlieferung des Wissens zugleich eine Kultivierung des Gemütes und Willens, wie es in seinem Hauptziel ,,Weckung und Pflege eines vielseitigen Interesses“ zum Ausdruck kommt. (W. Rein: Pädagogik II, S. 200.) Fällt aber dem Unterricht diese bedeutende Aufgabe der Persönlichkeitsbildung zu, dann darf es nicht genügen, in Natur-