Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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21 unserer Zeit in der Methode des Elementarunterrichtes werden bei der Darstellung der Methode der Arbeitsschule Kerschensteiners behandelt werden. 3. Herbart: Die Universalbildung. Entsprechend dem Zweck unserer Untersuchung soll hier nicht eine Darstellung der Herbartschen Philosophie gegeben werden. Wir beschränken uns darauf, nur diejenigen psychologischen und ethischen Voraussetzungen hervorzuheben, die für das Verständnis seiner Pädagogik notwendig sind. Herbart kann der Begründer der modernen naturwissenschaftlichen Psychologie genannt werden. Denn wie die moderne Naturwissenschaft anstelle der aristotelischen zwecktätigen ״Kräfte‘4 und ״Vermögen“ die Gegenstände der Erfahrung in ihren beobachtbaren kausalen Beziehungen erfaßt, lehnt Herbart es ab, das Leben der Seele aus den Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens als selbständigen Vermögen zu erklären. Vielmehr sieht er die Aufgabe der Psychologie in der Erkenntnis des kausalen Zusammenhanges, der beobachtbaren psychischen Tatsachen. Eine wissenschaftliche Psychologie darf nicht bei der bloßen generellen Zusammenfassung der psychischen Tatsachen unter die Allgemeinbegriffe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen bleiben, sondern hat den gesetzlichen Zusammenhang der einzelnen psychischen Akte zu erforschen. Bezüglich dieses Zusammenhanges nun steht es für Herbart fest, daß die Akte des Fühlens und Wollens keine selbständige Bedeutung haben ohne die Vorstellungen, an die sie sich als Objekte des Fühlens und Wollens anschließen. Darum bildet der Ablauf der Vorstellungen den entscheidenden Gegenstand des seelischen Geschehens. Dieser Ablauf der Vorstellungen aber ist bedingt von dem gegenseitigen Verhältnis der Vorstellungen zu einander, ihrer Verschmelzung oder Verdrängung, gegenseitigen Klärung oder Aufhebung, Verdichtung oder Vernichtung. Daraus ergibt sich, daß die Pädagogik darauf gerichtet sein muß, die Vorstellungen des Zöglings, oder wie Herbart es nennt, seinen ״Gedankenkreis“ entscheidend zu bestimmen. Dabei aber ist die Bildung des Gedankenkreises nicht Selbstzweck. Sondern weil Gefühle und Willensakte an die Vorstellungen sich anschließen, aus diesen hervorgehen, steht die methodische Formung des Gedankenkreises im Dienste der Bildung von Gefühl und Willen oder der Charakterbildung. So versteht sich Herbarts Forderung der Erziehung durch Unterricht: ״Ich gestehe, keinen Begriff zu haben von Erziehung