Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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18 nominen hat, die Erkenntnis der Produktivität und Spontaneität der menschlichen Natur, die Aufgabe, von innen nach außen, statt von außen nach innen zu dringen, die Erfassung des Göttliehen nicht im fernen Jenseits hoch über dem Menschen, sondern mit kräftiger Immanenz in den Anlagen und Grundkräften der Menschennatur, ohne die pantheistische Verwischung und Verflachung." (Wemle: Pestalozzi und die Religion, S. 6 ff.) Dieser Glaube an den innigen Zusammenhang von Religion und Sittlichkeit, von Vorsehung und sittlicher Verantwortlichkeit, von Schuld und Versöhnung, von der Aufgabe der sittlichen Selbstvervollkommnung und der Fähigkeit des Menschen, ihr mehr und mehr zu entsprechen, die soziale Richtung dieser religiösen Sittlichkeit und ihr Ziel der Erziehung zur in Freiheit Gott und den Menschen dienenden Persönlichkeit, dies alles entspringt und entspricht tiefsten Ideen und Motiven des Judentums, das in der Religion der Aufklärung zu neuer weltgeschichtlicher Wirksamkeit gelangt ist. (Vergl. Lewkowitz: Das Judentum und die geistigen Strömungen der Neuzeit.) D e 1 e k a t hebt hervor, daß dieses Ziel der Erziehung im Gegensatz zum Christentum und seiner Erlösungslehre steht, und sieht in diesem Gegensatz den Gegensatz zwischen hellenistischer Mystik und Urchristentum, zwischen dem Ewig- Überweltlichen und dem Zeitlich-Irdischen. ״Denn Glaube und Liebe unterscheiden sich dadurch von Theorie und Eros oder Anschauung und Gefühl, daß für sie das Leben zunächst keineswegs als harmonisch erscheint, ln ihnen lebt der religiöse Realismus der altisraelitischen Propheten, die ihr Volk lehrten, in seiner Zerstörung durch fremde Nationen den Willen des eigenen Gottes zu erkennen, gleichzeitig aber mit dem Hinweis auf den Messias die überirdische Macht und Liebe dieses Gottes hervorhoben, die sich gerade durch solche schwere Schicksale fühlbar machen. Das junge Christentum sah diese Gottesanschauung im Leben und Sterben seines Stifters bewährt und hat seine seelische Haltung in einer dekadent gewordenen Welt daran orientiert. Der realistisehe Pessimismus in der Beurteilung der ״gegenwärtigen Welt", des ״aion hutos" und die Überschwenglichkeit der eschatologischen Hoffnung auf die ״Welt, die da kommen soll", den ״aion mellon", gehören in dieser seelischen Gesamthaltung innerlich zusammen. Wer eines von beiden fortnimmt oder abschwächt, zerstört das Ganze. Man verzichtete damit auf ein einheitliches Weltbild, trat sogar zum Wissen und Erkennen in den Gegensatz einer prinzipiellen Skepsis, vertrat dafür aber um so kräftiger den Primat