Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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16 Diese natürliche Lehre ist durch die künstliche der Schule in keiner Weise zu ersetzen. Soll aber die Schule irgend auch nur Aehnliches wirken, so muß der Schulmeister ein offener, heiterer, menschlicher und froher Mann sein, dazu gemacht, der Kinder Herz und Mund zu öffnen. So ist es der Fundamentalgrundsatz aller naturgemäßen Erziehung, daß das Leben bildet und knüpft sich ,,in sittlicher Beziehung die Idee der Elementarbildung an das Leben des Kindes dadurch an, daß sie den ganzen Umfang ihrer Bildungsmittel aus dem dem Menschengeschlecht allgemein innewohnenden und ursprünglich instinktartig belebten Vater- und Muttersinn der Eltern und aus dem im Kreise des häuslichen Lebens ebenso allgemein belebten Bruder- und Schwestersinn hervorgehen macht.“ (Pestalozzi: Schwanengesang.) Und wie die sittliche Erziehung vor allem Tat des Hauses ist, so die religiöse. Die Mutter wendet von dem Augenblick an, wo das Kind sich der Nähe der Mutter zu entziehen beginnt und Gefahr läuft, der Selbstsucht anheimzufallen, alle Kraft und Kunst an, dem Kinde die Erscheinungen der Welt als Gottes erste Schöpfung vor die Augen zu bringen. ״Sie hat es an ihrem Busen den Namen Gottes lallen gelehrt, sie zeigt ihm jetzt den alliebenden Gott in der aufgehenden Sonne, im ,wallenden Bach, in den Fasern des Baumes, im Glanz der Blume, in den Tropfen des Taues, sie zeigt ihm den Allgegenwärtigen in seinem Selbst, im Licht seiner Augen, in der Biegsamkeit seiner Gelenke, in den Tönen seines Mundes, in allem, allem zeigt sie ihm Gott, und wie es Gott sieht, da hebt sich sein Herz, wo es in der Welt Gott sieht, da liebt es die Welt, die Freude über Gottes Welt verwebt sich in ihm mit der Freude über Gott, es umfaßt Gott, die Welt und die Natur mit einem und eben demselben Gefühle . . . Die Mutter zeigte ihm Gott in dem Anblick der Welt; jetzt zeigt sie ihm Gott in seinem Zeichnen, in seinem Messen, in seinem Rechnen, sie zeigt ihm Gott in jeder seiner Kraft, es sieht jetzt Gott in der Vollendung seiner selbst, das Gesetz der Vollendung ist das Gesetz seiner Führung, es erkennt dasselbe in dem ersten vollendeten Zug, in einer graden und gebogenen Linie — ja Freund, beim ersten zur Vollkommenheit gebrachten Zug einer Linie, bei der ersten zur Vollkommenheit gebrachten Aussprache eines Wortes entfaltet sich in seiner Brust die erste Regung des hohen Gesetzes: Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! Und da meine Methode wesentlich auf stetem Streben nach der Vollendung des Einzelnen ruht, so wirkt sie kraftvoll und umfassend dahin, den Geist dieses