Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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15 niedersten Menschen/* (Pestalozzi: Abendstunde eines Ein- Siedlers.) Das Ziel alles Unterrichtes ist ewig nichts anderes, als die durch die harmonische Ausbildung der Kräfte und Anlagen der Menschennatur entwickelte Menschlichkeit. Sie umfaßt daher die religiöse und sittliche Erziehung, die Bildung des Intellekts und des Körpers, ,,Wollen, Kennen, Können/* Es ist wichtig, daß das Kind nicht nur intellektuell für den Kampf des Lebens ausgerüstet ist, sondern auch frühzeitig lernt, sich auf seinen Körper verlassen zu können. Sonst wirken die körperlichen Schäden nachteilig auf die geistige und sittliche Bildung zurück. Denn Geist und Leib hängen innerlich zusammen, ganz besonders beim Kinde und beim jugendlichen Menschen. Daher gehört zur Elementarbildung auch die Elementargymnastik, die in der allseitigen Ausbildung aller körperliehen Fähigkeiten des Menschen besteht. In dem ursprünglichen Trieb des Kindes spricht sich dieser Zweck der Ausbildung des Körpers aus. Zugleich bedeuten die Anfänge der Körperbildung die ersten Erfolge in der sittlichen Erziehung und in der Bildung des Intellekts. Indem das Kind spielend der Mutter einige Verrichtungen im Haushalt abnimmt, lernt es die Bideutung der Dinge, mit denen es umgeht, erkennen und gleichzeitig entwickelt sich in ihm die Freude am Helfen. In der Reinheit der elementaren Anfangspunkte der menschlichen Bildung ist in jedem Fall der Mensch als ein Ganzes tätig, es ist der ganze Mensch, der handelt. Daß die sittliche Bildung auf Anschauung des sittlichen Lebens gegründet sein müsse, ist bereits oben dargelegt worden. ,,Ich frage mich also: Wie komme ich dahin, Menschen zu lieben, Menschen zu danken, Menschen zu gehorsamen? Wie kommen die Gefühle, auf denen Menschen vertrauen wesentlich ruht, und die Fertigkeiten, durch welche sich der menschliche Gehorsam bildet, in meine Natur? — und ich finde, daß sie hauptsächlich von dem Verhältnis ausgehen, das zwischen dem unmündigen Kinde und seiner Mutter statthat/* (Pestalozzi: Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, 13. Brief.) Durch die Mutter, ihre Fürsorge für das Kind, lernt das Kind lieben, danken, vertrauen, gehorchen, ehe es die Worte kennt, die diese Gefühle und Verhaltungsweisen ausdrücken. Die Wohnstuben-Erziehung der Gertrud gibt die höchst anschauliche Erläuterung dieser Erziehung durch Taten, nicht durch Worte.