Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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14 der einfache Schall war Ausdruck der Anschauung. Das Wort wird in zweifacher Weise Gegenstand der Anschauung: erstens an sich als Lautform und zweitens als Mittel des begrifflichen Denkens. Nachdem das Wort in seiner elementaren Bedeutung rein als Lautform dem Kinde vorgeführt ist, können die Übungen beginnen, in denen es als Mittel der Verständigung gebraucht wird. Namenlehre und Beschreibung der Gegenstände führen zur Begriffserklärung als Abschluß der Sprachlehre. Auch hier führt die Anschauung zur Erkenntnis der Gesetze, auch hier ist der Zweck der Sprachlehre, zur klaren Erkenntnis der Gegenstände hinzuleiten. Deshalb hat Pestalozzi die Sprache zu den Anschauungsgrundlagen gerechnet; auch in ihr entfaltet sich das Sinngefüge des Geistes. So ist der höchste Grundsatz des Unterrichtes die Anerkennung der Anschauung als des Fundamentes aller Erkenntnis. So sehr in der Anschauung die Formkräfte des Geistes zur Entfaltung gelangen, darf aber die Anschauung nicht als ein schöpferisches Prinzip im Sinne des Neukantianismus verstanden werden. In der anschaulichen Erkenntnis formt nicht der Geist die Welt zu einem gesetzlichen Ganzen, sondern enthüllt sich ihm die Welt in ihrer ursprünglichen Harmonie, in den Wesenszusammenhängen ihrer eigentlichen, der ״göttlichen Natur". Diese Welt als ״Gottes erste Schöpfung“ dem Kinde vor Augen zu stellen, ist die Aufgabe der Methode Pestalozzis. Die Welt erscheint in dieser Denkweise als ein großer Organismus. Wer sie so versteht, ist wahrhaft gebildet. ״In der Anschauung saugt der Mensch seine geistige Nahrung aus der Welt, die ihn umgibt, wie der Baum mit den Verästlungen aus dem Boden, auf dem er steht, die Säfte saugt, die zu seinem Wachstum nötig sind.“ (Delekat: Pestalozzi S. 265.) Darum ist Anschauung nicht etwas Erzwungenes, sondern geht sie aus der spontanen Mitarbeit des Kindes beim Unterricht von selbst hervor. Wo wirkliche Anschauung ist, ist sie von dem immittelbaren Evidenzgefühl begleitet, das die Einsicht in die objektive Struktur der Welt bestätigt. Freiheit ist darum die Luft, in der die Erziehung atmen kann, denn nur in ihr wird die Wahrheit gefunden, die aus dem Innersten unseres Wesens geschöpft ist. Alle reinen Segenskräfte der Menschheit sind nicht Gaben der Kunst und des Zufalls, im Inneren der Natur aller Menschen hegen sie mit ihren Grundanlagen. Daher ist ״allgemeine Emporbildung dieser inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Menschenweisheit allgemeiner Zweck der Bildung auch des