Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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12 es, diese Verwirrung aufzuheben, die Gegenstände zu sondern, die ähnlichen und zusammengehörigen in der Vorstellung wieder zu vereinigen, sie alle zu deutlichen Begriffen zu erheben. Also geht unsere Erkenntnis von Verwirrung zu Bestimmtheit, von Bestimmtheit zu Klarheit und von Klarheit zu Deutlichkeit. Aber die Klarheit der Erkenntnis ist abhängig von der Nähe oder Feme der Gegenstände, die meine Sinne berühren. Der Mittelpunkt aller Anschauung ist der Mensch selbst. Was der Mensch selbst ist, ist leichter deutlich zu machen, als alles, was außerhalb seiner liegt. Folglich öffnet sich der Weg zu deutlichen Begriffen sicherer als auf irgend einer anderen Bahn, auf der Bahn der Selbsterkenntnis. Nichts also kann klarer sein als der Grundsatz: Die Kenntnis der Wahrheit geht bei dem Menschen von der Kenntnis seiner selbst aus. (Pestalozzi: Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, 6. Brief.) Die Anschauung des Menschen aber von sich selbst ist keine Selbstbespieglung, sondern in der Anschauung der Welt entfalten sich die Kräfte, in denen das Wesen des Menschen besteht. Die Anschauung der Natur selbst ist das eigentliche Fundament des menschlichen Unterrichtes, seiner Selbstentfaltung. Zahl, Form und Sprache sind gemeinsam die Elementarmittel des Unterrichts. Sie sind die apriorischen Formen, in denen der menschliche Geist den Zusammenhang der Dinge erfaßt. Der Mensch wird nur durch sein geistiges und inneres Leben selber Mensch, er wird nur dadurch selbständig, frei und befriedigt. Die sinnliche Natur führt ihn nicht so weit und nicht dahin; sie ist in ihrem Wesen blind. (Pestalozzi: a. a. O., 10. Brief.) Weisheit in der Führung zur Anschauung ist also der Anfangspunkt, auf welchen die Kettenfolge der Mittel, zu deutlichen Begriffen zu gelangen, gebaut sein muß, und es ist offenbar, daß die Deutlichkeit eines jeden Begriffs wesentlich von der Kraft seines ersten Entkeimens abhängt. Von der Anschauung einzelner Gegenstände zu ihrer Benennung, von ihrer Benennung zu ihrer Beschreibung, von hier zu ihrer Definition geht der Weg, der ,,den Menschen mit psychologischer Kunst und nach den Gesetzen des physischen Mechanismus zu deutlichen Begiiffen führt/' (Ebda.) Das vorzüglichste Mittel, Verwirrung, Lücken und Oberflächlichkeit in der menschlichen Bildung zu verhüten, beruht also hauptsächlich auf der Sorgfalt, die Anfangseindrücke der wesentlichen Gegenstände unserer Erkenntnis dem Kinde bei ihrer ersten Anschauung so bestimmt, so richtig und so umfassend