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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--21-2727397
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10 Volkskultur. Es ist keine andere Basis der Volkskultur denkbar, als eine weise und kraftvolle Sorgfalt für den guten Zustand der Wohnstube des Volkes. (Pestalozzi: Das Heiligtum der Wohnstube: Ansichten und Erfahrungen die Idee der Elementarbildung betreffend. Rede an sein Haus vom 12. Januar 1818.) Die Elementarbildung der Menschennatur ist die Bildung unseres Geschlechtes zur Liebe, aber freilich nicht Bildung zu einer blinden, sondern zu einer sehenden Liebe. Wie sie unser Geschlecht durch unser Herz göttlich erhebt, so gibt sie ihm durch die Bildung seiner Geistes- und seiner Kunstkräfte menschliche Mittel eines höheren göttlichen Lebens. Sie bringt durch eine naturgemäße Entfaltung diese menschlichen Kräfte mit dem Göttlichen, das in unserer Natur ist, mit Liebe, Dank und Vertrauen und mit den hohen Ahnungen des Ewigen und Unendliehen, dessen unser Herz fähig ist, in Übereinstimmung. Sie bringt die sittlichen, die intellektuellen und die Kunstkräfte unserer Natur in Übereinstimmung und macht uns durch diese Übereinstimmung zu Menschen. Ohne sie kann es der Mensch nicht sein. Des Menschen edleres Leben geht langsam von Stufe zu Stufe zu seiner Reifung, aber sein Wachstum, solange es dauert, soll nie stille stehen, soll wachsen von Stufe zu Stufe, von Erkenntnis zu Erkenntnis, von Liebe zu Liebe. (Pestalozzi: An meine Zöglinge. Reden an mein Haus.) Das häusliche Leben, der mütterliche Sinn, die väterliche Kraft, alle Haustugenden, alle Erfahrung der Verhältnisse, alle Bildung durch Arbeit, das Beieinanderleben aller Glieder des Hauses, selbst die Beschränkung, das Leiden und die Not dieses Zusammenlebens, alle diese Umstände bilden ein ganzes Gewebe von Fäden, an die sich alles Wesentliche einer guten Erziehung mit Leichtigkeit und Sicherheit anknüpfen läßt. Aber je mehr das Menschengeschlecht in seiner gesellschaftlichen Ausbildung fortschreitet, desto schwerer wird es dem Individuum, den Bedürfnissen der Erziehung, die sich durch die Ansprüche der öffentliehen Bildung so sehr ausdehnen und vervielfältigen, durch den Einfluß des häuslichen Lebens Genüge zu tun. Um den Folgen dieser Beschränkung im häuslichen Unterricht abzuhelfen, errichtete man Schulen. Aber man darf von diesen nie erwarten, daß sie das Ganze der menschlichen Erziehung umfassen, daß sie für Vater und Mutter, für Wohnstube und Hausleben zur Herzens-, Geistes- und Berufsbildung leisten, was dafür geleistet werden soll. Ersatz der häuslichen Erziehung können die Schulen nie werden. Ihr höchstes Ziel kann nur dahin gehen, die Bildungs-

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