Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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8 lebt im Zusammenhang mit dem kulturellen Schaffen der zur Einheit eines Kulturkreises vereinigten Völker. So wenig der Jude ein Fremdling in seiner Heimat sein darf, darf er unbekannt bleiben mit dem kulturellen Schaffen der europäischen Völker. Gerade das Judentum, das eine wesentliche Grundlage der europäischen Kultur geworden ist, verpflichtet uns durch seine Geschichte, die ohne die europäische Geschichte nicht verstanden werden kann, nicht bloß die Sprachen fremder Völker zu verstehen, sondern ihren Geistesbesitz als Ausdrucksformen nationaler Humanität zu begreifen. Durch Teilnahme an dem kulturellen Schaffen der Völker des europäischen Kulturkreises den Nationalismus vor Chauvinismus zu bewahren, ist eine Forderung, die auch das jüdische Erziehungswesen nicht außer acht lassen darf. Erziehung zum Juden, zum Bürger, zum Menschen, ist das dreifache, doch innerlich einheitliche Ziel jüdischer Erziehung. In welchen Methoden dieses Ziel erreicht werden kann, ist die Aufgabe, der wir uns zuwenden, wenn wir uns mit den Hauptrichtungen der Pädagogik des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. 2• Pestalozzi: Die Elementarbildung. Für immer hat Pestalozzi aller menschlichen Erziehung Ziel und Weg gewiesen: Allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menschnennatur zu reiner Menschenweisheit ist allgemeiner Zweck der Bildung auch der niedersten Menschen. Übung, Anwendung und Gebrauch seiner Kraft und seiner Weisheit in den besonderen Lagen und Umständen der Menschheit ist Berufs- und Standesbildung. Diese muß immer dem allgemeinen Zweck der Menschenbildung untergeordnet sein. Wer nicht Mensch ist, in seinen inneren Kräften ausgebildeter Mensch ist, dem fehlt die Grundlage zur Bildung seiner näheren Be- Stimmung und seiner besonderen Lage, die keine äußere Höhe entschuldigt. (Pestalozzi: Die Abendstunde eines Einsiedlers.) Zur Erreichung dieses Zieles menschlicher Bildung muß der naturgemäße Weg eingeschlagen werden. So wie das unsere Natur Erhebende, das uns selbst unserer Vollendung Näherbringende in allem unserem Fühlen und in allem unseremTun von dem Gefühl der Liebe ausgeht, ist für die Entfaltung des Gefühls der Liebe im Kinde das Entscheidende der Einfluß seiner nächsten Umgebung, der häuslichen Verhältnisse, seine Eltern. Der Eindruck der Mutterliebe ist der Eindruck eines unvergänglichen höheren inneren Lebens, der Eindruck eines das ganze Sein des Kindes in Anspruch nehmenden Reizes zur Gegenhebe, zum Dank, zum