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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1933-01-01 · 1933 · page 19

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1933
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721061--18-2727394
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7 heiten in den Ländern Osteuropas und der Zusammenbruch der Emanzipation der Juden in Deutschland machen es zur Pflicht, Ziel und Weg einer jüdischen Erziehung von neuem deutlich zu erfassen. Dieses Ziel kann nicht willkürlich aus bloß praktischen, noch so dringlichen Aufgaben der Gegenwart, sondern nur aus der Kontinuität jüdischen Volks- und Geisteslebens heraus erkannt werden. Erziehung ist Erziehung zur Teilnahme an der Kultur der Gemeinschaft, und so kann jüdische Erziehung nur Erziehung zur Teilnahme an jüdischer Kultur bedeuten. Es besteht daher die Aufgabe methodischer Einführung der Jugend in den Wesensgehalt jüdischen Lebens und jüdischen Geistes zum Zwecke der Erneuerung und Festigung der jüdischen Gemeinschaft. Wenn aber das jüdische Unterrichtswesen selbst in den Zeiten des Mittelalters sich eine Kulturoffenheit bewahrte, die die Jugend zur Mitarbeit am kulturellen Schaffen der Umwelt befähigte, so kann es nicht Sinn und Ziel der jüdischen Erziehung sein, eine ghettohafte Abgeschlossenheit des jüdischen Menschen herbeizuführen. Sondern vom Zentrum jüdischen Seins aus an der Kultur insbesondere der Heimat innigen Anteil zu ״nehmen, die Kultur der Heimat zum innerlichen Besitz der Seele werden zu lassen, ist ein aus jüdischer Erziehung nicht fortzudenkendes Ziel der Erziehung. So gewiß aber diese beiden Aufgaben der Erziehung zum Judentum und zur Teilnahme an der Kultur der Heimat nicht neben einander, ohne inneren Zusammenhang bleiben dürfen, ist es die Aufgabe der jüdischen Erziehung, jüdische und Heimatskultur innerlich sich gegenseitig durchdringen und erleuchten zu lassen. Aber nicht bloß Teilnahme an der Kultur, sondern mitschaffende Erhaltung und Fortführung der Kultur ist Zweck der Erziehung. So ist eine notwendige Zielsetzung Erziehung zur Staatsbürgerliehen Eingliederung und Mitarbeit an den geistigen, Wirtschaftliehen und politischen Aufgaben der Heimat. Die ganze Schwere und Tragik des jüdischen Problems in Deutschland zeigt sich in der zur Zeit fehlenden Möglichkeit einer uneingeschränkten Teilnähme, insbesondere der jüdischen Jugend am Leben und Wirken des deutschen Volkes. Ohne eine solche Teilnahme aber müßte jüdische Jugend auch seelisch verkümmern, weil ihr die naturgemäße Betätigung ihrer kulturellen Energien versagt bliebe. In aller Verwurzelung in Judentum und Heimat aber muß die Erziehung auch einen dritten, noch weiteren Kultarkreis ins Auge fassen. Kein Volk lebt in einer autarken Kultur, sondern

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