Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1932-01-01 · 1932 · page 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721063--80-2727364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

51 Orte und Sprachen werden auch die Herzen verschieden und ihr Lob ist nicht wohlgefällig . . .312. Das Gebet von zehn Personen, Mitgliedern eines Lehrhauses, im Lehrhaus mit Andacht gesprochen, wird eher erhört als das in der Synagoge von einer großen Menge in Unruhe gesprochene. Obwohl es heißt: ״Des Volkes Menge ist des Königs Schmuck״״ (Prov. 142g), gilt dies nur, wenn die Gemeinde andächtig den Worten lauscht, in unserer Zeit aber entsteht durch das viele Volk viel Verwirrung, niemand hört dem Gebet und der Thoravorlesung zu313. Beim Achtzehngebet soll man die Augen schließen, erstens, damit sie nicht umherschweifen, wodurch die Andacht gestört wird, zweitens, weil man vor Gott steht, und es in der Bibel heißt: Mose verbarg sein Gesicht (Ex 36). Wenn es vorgeschrieben ist, daß in der Synagoge Fenster angebracht sein sollen, so hat es nicht den Zweck, durch sie hinauszuschauen, sondern sich zu vergegenwärtigen, man stehe in der Richtung gegen das Heiligtum314. Uber das Sprechen von P i j j u t i m hat sich RDbS wie folgt geäußert: Es gibt darüber eine große Meinungsverschiedenheit, ob man solche Einschaltungen in das Achtzehngebet und in die drei Benediktionen vor dem Schema vornehmen darf. Ich war anfangs dafür, mit Rücksicht darauf, daß viele bedeutende Männer solche Pijjutim bei den ersten drei Benediktionen des Achtzehngebetes sprachen oder selbst dichteten. So z. B. R. Eleasar ha-Kalir und R. Kalonymos. Auch R. Tarn erlaubte das Sprechen solcher Pijjutim. R. Josef Bonfils und R. Elia der Alte waren zwar anfangs dagegen, doch später sprachen sie sich für die Pijjutim aus. Ich habe aber bemerkt, daß in unserer Zeit Pijjutim verfaßt werden, die man nicht hören darf, geschweige das Achtzehngebet damit unterbrechen. Die Vorbeter können auch nicht unterscheiden zwischen der Dichtung eines Dichters und dem Schreien eines Esels. Sie vermischen die Worte der Toren mit denen des lebendigen Gottes. Daher habe ich verordnet, keine Pijjutim zu sagen, weder von den alten noch von den jüngeren Autoren. Nur vor den Benediktionen zum Schema erlaube ich, Pijjutim zu sagen. Eine Ausnahme bilden die poetischen Stücke in der Keduscha am Versöhnungstag, die man sagen soll, weil sie zum Wesen der Keduscha gehören, wie ich dies in einem anderen Gutachten N. 532315 ausführlich behandelte. Wenn es aber in einer Gemeinde Brauch ist, Pijjut und pnnp in den Benediktionen oder im Achtzehngebet zu sagen, soll man diesen Brauch bestehen lassen, falls es sich um solche Pijjutim handelt, die von den alten Dichtern herrühren. Die Dichtungen der heutigen Dichter aber, insbesondere wenn 312 N. 910. 313 N. 1092. 314 N. 2090. 315 ed. Fürth 1781 ed. Warschau N. 967. 4*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.