Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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50 meinde, in deren Mitte Unfriede herrscht, dürfen nicht zusammen beten, ihr Gebet ist nicht wohlgefällig, denn ihr Sinn ist abgelenkt und daher beten sie nicht mit Andacht. Es wäre daher besser, daß jeder einzeln für sich bete, als daß man zusammen in einer Gemeinde, mit der man in Unfrieden lebt, beten sollte. Man soll nur dort beten, wo das Herz sich hingezogen fühlt. Es verhält sich so wie mit dem Lernen: Genau wie wir sagen, man soll nur dort lernen, wo das Herz einen hinzieht. Der eigentliche Grund dafür ist der: Wenn ein Mensch auf den anderen, dem er gewogen ist, schaut, so wird seine Seele zu vollständiger Andacht erweckt, sein Sinn erweitert sich, sein Herz frohlockt und der Geist Gottes ruht auf ihm, wie die Weisen von den Propheten behaupten. Ferner heißt es in den kabbalistischen Büchern: Wenn der Schüler seinen Sinn auf den Lehrer richtet, wird seine Seele mit der des Lehrers verbunden. Es geht eine Emanation auf ihn von seinem Lehrer aus, er erhält eine נפש יתרה. Dies heißt in der Kabbala סוד העכור, und das vollzieht sich noch am Leben310. . . . um wieviel mehr geschieht dies, wenn der Lehrer dies beabsichtigt311. Genau so verhält es sich mit dem Gebet: Wenn jemand auf seine Freunde, Verwandten oder seinen Lehrer oder auf denjenigen, welchem er gewogen ist, schaut, wird seine Seele zu vollständiger Andacht erweckt; es kommt zu ihm der Geist vom Himmel, was auch von der Vernunft bestätigt wird. Beim Gegenteil ist das Umgekehrte der Fall... Daher ist es Brauch in ganz Israel, daß die Vertreter einer Sprache eine Gemeinde für sich bilden, damit sie sich nicht mit den Vertretern einer anderen Sprache vermischen. Kein Rabbiner hat dies verboten. Denn bei Verschiedenheit der 310 Über סוד העביר vgl. auch Mez. David N. 129 S. 27c, wo der Unterschied zwischen סיד העביר und Gilgul mitgeteilt wird. Ersterer ist eine Ausstrahlung vom Gebenden auf den Empfänger, ohne daß jener Schaden erleidet, ״wie das Anzünden des Lichtes am Licht“, letzterer ist ein ״Sichwälzen der ganzen Sache von Ort zu Ort“. Vgl. noch Migdal David S. 65d, 71b, 82c, R. Chaim Vital, ספר הגלגולים V (ed. Wilna 1886, S. 16 f.) und Menasse b. Israel, נשמת חיים IV 12 f. S. 98 ff. RDbS scheint aber keinen Unterschied zwischen סיד העביר und גלגיל zu machen, denn er bedient sich des Ausdruckes סוד העביר für Seelenwanderung (N. 1179, vgl. auch weiter unten). Den Grund dafür erfahren wir aus einer anderen Stelle (Mez. D. N. 453 S. 66c f.), wo es heißt: ויש שהוא (הצדיק הגמור) בא לזה העולם להגץ על הדור או להשלים דבר ואני סובר שאלו אין נשמתן כלה מתגלגל שהרי הגיעה מדרגתם לעמוד לשרת לפניו יזו׳ ועישה שליחותו כמלאכי השרת אלא מתעברת ויולדת ונמשכים ממנה ניצוצות וניצוץ ממנה בא לוה העולם להגן על ״הדור י " " ומכאן תבין סוד העביר כי לפעמים תמצא לשון עבור ולפעמים לשון גלגול 311 ״Daher haben die Gelehrten ihre Söhne aufgefordert, in das Gesicht ihrer Lehrer zu schauen, wenn sie vor ihnen stehen, dies heißt bei ihnen גלגול מחיים.“ N. 2088.