Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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49 3. Aus dem Umstand, daß eine der beiden Frauen ein fremdes Kind an sich nehmen wollte, mit dem sie nur Mühe haben würde, schloß der König, daß dies aus einem selbstsüchtigen Grunde geschehen mußte. Als der König erfuhr, daß jene Frau, die angebliche Mutter, eine Levirin ist, sagte er sich, sie wolle das Kind nur deswegen für sich beanspruchen, um sich der Leviratspflicht8064 und der Chaliza zu entziehen, während die wirkliche Mutter keinen Nutzen und nur Mühe haben werde. Der König war damals noch jung (I Reg 37). Es war daher ein kluger Zug bei ihm, auf eine solche Idee zu kommen307. b) Gebet. Interessant ist die Ansicht des RDbS über das Gebet. Das gesprochene Wort — sagt er — macht, wie die Weisen des!Midrasch (s. oben S. 33 Anm. 219) an vielen Stellen bemerken, einen großen Eindruck. Daher genügt bei der Befolgung derjenigen Vorschriften, die ,לשמד sein müssen, das bloße Denken an sie nicht308. Ist schon das gesprochene Wort von Bedeutung, so gewinnt es erst an Wichtigkeit, wenn es von vielen zusammen gesprochen wird. ,,Denn das Wort, das aus dem Munde vieler kommt, gleicht nicht dem von einzelnen gesprochenen. . . Es heißt nämlich: ,Gott verwirft die Mächtigen nicht‘ (Hiob 36ß). Denn das Wort, das aus dem Munde vieler kommt, ist mächtig, es ist imstande, viele Sphären zu durchdringen, bis es ganz nach oben gelangt. Daher ist es in ganz Israel üblich, daß man bei Buß- und Bittgebeten die Stimme erhebt und laut spricht. Durch die Stimme eines einzelnen ist das nicht möglich. Dies kann man auch deutlich wahrnehmen: Die Stimme eines einzelnen, mag sie noch so laut sein, wird nicht aus der Ferne gehört, während die Stimmen vieler, selbst wenn sie nicht so laut sind, von weitem vernehmbar sind, weil sie sich gegenseitig unterstützen. Die Naturforscher haben sogar geschrieben, daß es sich auch beim Gesichtssinn so verhält, indem beim Vorhandensein vieler eine Sache aus der Ferne gesehen werden kann, gehen sie aber auseinander, ist das nicht möglich. Doch ist dies unwahrscheinlich, aber in bezug auf das Hören ist gar kein Zweifel, daß es sich so verhält, wie oben bemerkt wurde806.“ Wenn es heißt (s. weiter), daß das Gebet, von vielen zugleich in der Synagoge verrichtet, sehr wirksam ist, so gilt dies nicht, wenn Unfriede unter den Betenden herrscht. Die Mitglieder einer Ge- 306a Nach Maimuni, הל, יבום וחליצה I 5 ist die Frau in einem solchen Falle von der Leviratspflicht befreit. Vgl. noch Tur Eben ha-Eser Kap. 156. 80> N. 1059. — Andere Fragen: N. 256, 284, 722, 769, 842, 1064, 1066, 1067. 308 N. 154, doch bemerkt RDbS: אבל בדיעבד סודה אני שאין הדבר נפסל בכך. Vgl. auch Mez. D. N. 75, 77, 112, 120, 556 Ende. 309 N. 887. Vgl. noch N. 912, wo die Ansicht von der Durchdringung der Sphären im Namen der חכמי הסוד mitgeteilt wird. Vgl. noch Magen David S. 22a, Mez. D. N. 112 S. 21b, Migdal David S. 84. 4