Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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48 Volke mitgeteilt? Sind sie aber erst im 40. Jahre in Moab dem Mose offenbart worden, warum bedient er sich nicht derselben Ausdrucksweise, wie in den früheren Büchern: ״Gott sprach zu Mose . . .“ Nachdem RDbS die Erklärung des Nachmanides (Deut. Anf.) ablehnt, sagt er, daß die Vorschriften im Deut, dem Mose erst in Moab mitgeteilt wurden. Die Thora bedient sich nicht desselben Ausdruckes wie bei den in den vorhergehenden Büchern erwähnten Gesetzen, weil Mose sie unmittelbar dem Volke mitteilte804. 3. RDbS behandelt die Frage, warum die Thora keine Vokale und Akzentzeichen hat, wo doch auch sie dem Mose mitgeteilt wurden und zum Verständnis der Schrift äußerst wichtig sind. Er meint, daß die Thora zwei Lesungsarten hat: 1. eine geistige, ohne Absetzen der Worte, nach Art der Gottesnamen, 2. eine materielle, mit Absetzung der Worte, d. i. die gewöhnliche Lesung, die die Menschen angeht. Daher hat Gott befohlen, die Thora ohne Vokale und Akzentzeichen zu schreiben, damit beide Lesungen möglich wären. Denn Kombinationen (צירופים) sind nur bei unvokalisierten und nichtakzentuierten Texten möglich. . .305. 4. Was bedeuten die Textabweichungen in der Thora, die man mit קרי כתיב ,עטור סופרים ,מקרא סופרים usw. bezeichnet, die doch den Anschein erwecken, als ob unsere Thora fehlerhaft wäre? RDbS antwortet darauf, daß auch diese Abweichungen sinaitische Überlieferung sind. Warum werden sie aber den Soferim zugeschrieben? Die Antwort ist: Die Soferim hätten jene Abweichungen auch festgestellt, selbst wenn sie keine sinaitische Überlieferung wären. ״Du sollst daher nicht denjenigen glauben, welche behaupten, daß in der Bibel Fehler vorhanden sind, ebenso auch nicht denjenigen, welche sagen, daß Esra und die anderen Soferim die Fehler ausgebessert hätten . . . sondern alles ist Überlieferung308.“ Neben diesen allgemeinen Betrachtungen hat RDbS in seinen Gutachten auch spezielle Fälle aus der Bibel behandelt, so z״ B. das salomonische Urteil. Auf die Frage, worin die ״Weisheit“ im Urteil bestand, von dem es heißt: ״Als ganz Israel das Urteil hörte . . . denn sie sahen, daß die Weisheit Gottes in ihm war, Recht zu üben“ (I Reg 328), es sei doch bloß ein Trick gewesen ״es gibt auch in unserer Zeit Menschen, die solche und ähnliche Tricks anwenden können“ — antwortet RDbS, nachdem er die Erklärung Abravanels ablehnt, folgendermaßen: Der König hat die wirkliche Mutter des Kindes aus mehreren Umständen erkannt und •seine Wahrnehmung den um ihn Stehenden mitgeteilt. Um;sie von deren Richtigkeit zu überzeugen, wandte er jene Methode an. Diese Umstände sind: 4. Aus dem Vergleich der Physiognomien der beiden Frauen mit denen der Kinder. 2. Aus dem Gehaben der Klägerin erkannte er, daß sie wenig beweglich, geschickt und vorsichtig ist und sich daher auf ihr Kind nicht legen wird; das Gegenteil sah er bei der zweiten Frau. 804 N. 2143. 805 N. 1068. Vgl. auch Mezudath David N. 117, 473, 572. Migdal David S. 12d, Magen David 21a. 806 N. 1020.