Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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47 allgemeine Anerkennung fand299, kann dies betreffs der Kabbala nicht behauptet werden. Sein Zeitgenosse R. Mose Kordovero äußerte sich nicht günstig über ihn300, was aber nicht viel besagen will, da er auch über andere Kabbalisten abfähig urteilt301. a) Biblische Betrachtungen. In einigen Responsen behandelt RDbS folgende Fragen, die sich mit dem Wesen der schriftlichen Lehre befassen: 1. In welcher Schrift sind die Bundestafeln und die Thora gegeben worden? Nach einem talmudischen Ausspruch (Sabbath 104a) nämlich hing der innere Teil der Buchstaben ם und ם, da die Schrift durchdringend war, in den Tafeln durch ein Wunder. Nun gibt es einen anderen Ausspruch im Talmud (Sanh. 21b), wonach die Thora ursprünglich in althebräischer Schrift, zur Zeit Esras aber in Quadratschrift gegeben wurde. ,,Wir haben die althebräische Schrift, die heute bei den Samaritanern üblich ist und in der ihre Thorarollen geschrieben sind, untersucht, und haben weder bei den Buchstaben ם und ם noch bei den anderen Buchstaben — außer beim Buchstaben ע, der wie ein geschlossenes Dreieck aussieht — die Notwendigkeit bemerkt, daß sie in der Luft hätten hängen müssen. Es ist nicht anzunehmen, daß die althebräische Schrift im Laufe der Zeit eine Änderung erfahren hat, da wir doch keine Beweise dafür haben. Übrigens halten doch die Samaritaner an der Vorschrift des Vorlesens aus der Thora fest, ihre Thorarollen sind uralt, sie sind nie in Verbannung gegangen, ihre Thorarollen waren und blieben in Palästina. Ferner besitzen wir alte Münzen zu halben Schekalim, die Inschriften in samaritanischen Schrift Zeichen haben. Es ist auch schwer anzunehmen, daß die ursprüngliche Schrift, in der die Thora gegeben wurde, ihre Heiligkeit einbüßte, während die angeblich spätere, die Quadratschrift, eine solche Heiligkeit erlangte, daß jeder Buchstabe und seine Form Geheimnisse bergen, über die mehrere Werke verfaßt wurden.“ Nach diesen interessanten Feststellungen kommt RDbS zum Ergebnis, daß die ersten Tafeln in Quadratschrift geschrieben waren. Beim Zerbrechen der Tafeln durch Mose (Ex 3219) flogen die Buchstaben wegen ihrer Heiligkeit aus den Tafeln heraus. Die Schrift blieb bloß Mose bekannt, der sie nur einzelnen Leuten seines Geschlechtes, wie Aharon und Bezalel, mitteilte. Die zweiten Tafeln und die 12 Thorarollen, die Mose schrieb302, sind in althebräischer Schrift geschrieben worden. Erst Esra brachte die Quadratschrift zur Geltung303. 2. Wann sind die Vorschriften, die im Deuteronomium zum ersten Mal erwähnt werden, den Juden mitgeteilt worden? Ist es am Sinai, am Choreb oder im Stiftszelt geschehen, warum hat nicht Mose sie gleich dem 299 Vgl. Frumkin-Riwlin, תולדות חכמי ירושלם I S. 75. 300 Vgl. Horodezky, תורת הקבלה של ר׳ משה קורדובירו S. 29. 301 Das. S. 28 f. 302 Nach Deut. r. IX 9 hat Mose 13 Thorarollen geschrieben, von denen er jedem der 12 Stämme je eine gab, die 13. legte er in die Bundeslade 303 N. 883. Vgl. auch Magen David S. 2a. Vgl. noch N. 980.