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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1932-01-01 · 1932 · page 69

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
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36 oder Zuhörer wird, falls er ein Unwissender ist, bloß dem einfachen Wortsinn folgen, ohne daraus Nutzen für die praktische Befolgung der religiösen Vorschriften zu ziehen. . . Ist er ein Bösewicht, so wird er sich über sie lustig machen." Hat aber der Leser bzw. der Zuhörer ein wenig Verständnis, so wird er sagen, der Tradent jenes Ausspruches hat vielleicht dies oder jenes Einfache gemeint und wird sich darüber falsche Gedanken machen, die jenem nie eingefallen sind, wie es heute bei den Predigern geschieht230. . . Anders wenn die Agada mündlich überliefert wird: In diesem Falle wird der Zuhörer, falls er im Zweifel ist, seinen Lehrer um Auskunft bitten, der ihn auch belehren wird. Nach der Zeit des R. Josua b. Levi durfte die Agada erst zur Zeit des Rabina und Rab Aschi, als sich die Notwendigkeit zum Aufschreiben ergab, auf Grund von Ps 119^ aufgeschrieben werden. Aber die Agada wurde nicht als selbständige Sammlung aufgeschrieben, sondern sie wurde in den Talmud zerstreut aufgenommen, und zwar aus folgendem Grunde: Wer den tiefen Sinn nicht kennt, soll sich mit der bloßen Erzählung begnügen und im nachfolgenden halachischen Teil Befriedigung finden. Kennt aber der Leser den Sinn, so wird er dessen eingedenk bleiben und über ihn nachdenken231. Der ״tiefe Sinn'סוד) ״) ist es, welcher bei RDbS eine bedeutende Rolle spielt sowohl in der Deutung religiöser Vorschriften als auch in der Erklärung von Agadastellen. Wenn aber die Agada auch einen geheimen Sinn hat, so schließt sie doch den gewöhnlichen Wortsinn nicht aus. Umgekehrt genau wie RDbS bei der Erklärung der Gebote zunächst den einfachen Grund und dann den kabbalistischen Grund angibt, genau wie er bei der Halacha die Kabbala gelten läßt, solange sie mit ihr nicht in Widerspruch steht, verhält es sich ähnlich mit der Agada: RDbS versucht bei der Erklärung von Agadoth in seinen Responsen zunächst das Rationale, Einfache zu geben, und erst nachdem dies geschehen ist, verweist er auf die Kabbala, gleichsam als würde ersteres nicht ausreichen232. Bei der Beantwortung der Frage: wie durfte Elia, der nach der Agada mit Pinchas identifiziert wird, sich bei der Belebung des Sohnes der Frau aus Zarfath (I Reg 171ד f.) am Leichnam verunreinigen? gibt RDbS zwei Erklärungen und erst am Schluß meint er, daß nach der Kabbala keine Schwierigkeit besteht, da unter jener Identifizierung gemeint ist, die Seele Elias rühre von der des Pinchas her233. An einer Stelle wird auf Wunsch des Fragestellers alles Kabbalistische von vornherein ausgeschaltet234. 230 Vgl. auch N. 954 S. 33b. 231 N. 1303. 232 S. oben S. 35. 233 N. 2203. 234 N. 256.

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