Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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25 in מצרים (Kairo)150 wohnte und behauptete, damit in Erez Israel zu wohnen, da מצרים jenseits des Nils (= an seinem östlichen Ufer) in der Richtung näch Palästina liegt. Vor seinem Tode aber befahl er, seine Gebeine nach Jerusalem zu überführen, da er offenbar von seiner früheren Meinung zurückträt. Dies ist ja ohne Zweifel ein großer Irrtum, da — wie schon aus mehreren Stellen hervorgeht — der Nil nicht die Grenze Palästinas sein kann. In Wirklichkeit verhält sich die Sache so: Der in Rede stehende Fluß Ägyptens ist mit demjenigen identisch, welcher heute Wadi El Arisch heißt151. Ich überschritt ihn einmal, als er voll war, und ein anderes Mal, als er trocken war. Dieser ist die Grenze zwischen Ägypten und Palästina. Auch die Nichtjuden sagen heute, daß bis dorthin Ägypten reicht, von da ab ,בלד אל שאמייד (die Städte Syriens) sind. Von מצרים (Kairo) bis zu diesem Fluß ist ein Weg von 8 Tagemärschen, von diesem bis Ghaza ein solcher von 2 Tagemärschen. Daher können wir Raschi keinen Irrtum vorwerfen (der sagte, daß נחל מצרים, der Fluß Ägyptens, die Grenze zwischen Palästina und Jerusalem ist). Was die Frage selbst betrifft, so ist folgendes zu beachten: Das ursprüngliche, alte Mizrajim erstreckte sich bloß jenseits des linken Nilufers. Noch heute gibt es dort altertümliche große Gebäude. Die Nichtjuden sagen, daß diese Gegend das alte Mizrajim ist. Der von Süden nach Norden fließende Nil gliedert sich vor seiner Einmündung ins Meer in mehrere Arme, von denen einer bei Alexandrien ins Meer mündet, ein anderer bis nach Damiette d. i. Kaphtor152 zieht, um nach einer Biegung ins Meer zu münden. Von Kaphtor bis Wadi El Arisch ist ein Weg von nur 3 Tagen. Hätte nun Gott die Kinder Israel durch das Philisterland führen wollen, so hätte er sie den Nil im Norden überschreiten lassen in der Richtung nach Norden. Er tat es aber nicht, sondern führte sie über den Nil im Süden in der Richtung nach Osten in die Wüste, die (in der Bibel) Wüste Etham oder Wüste der Völker heißt, und noch heute von den Ismaeliten היה בני ישראל ,Wüste der Kinder Israel‘ genannt wird. Daß die Thora die Überschreitung des Nils, die in allen Fällen geschehen mußte, nirgends erwähnt, ob sie durch Überfuhr oder Brücken oder zu Fuß erfolgte, ist nicht auffallend. Denn es war ja damals der 15. Nissan, eine Zeit, in der es keinen Regen gibt und daher das Wasser im Flußbett seicht ist, so daß es Stellen gibt, in denen man den Fluß zu Fuß überschreiten kann. Es war somit kein Wunder und mußte daher nicht von der Thora erwähnt werden. So schrieb auch Estori Parchi153, daß Wadi El Arisch mit dem ,Fluß Ägyptens‘ identisch ist, der Ägypten von Palästina trennt. Allgemein bekannte Sachen bedürfen keines Beweises154.“ b) Die Frage, ob Ghaza in bezug auf die in der Bibel vorgesehenen landwirtschaftlichen Abgabepflichten zu Erez Israel zu rechnen ist, ent- 150 Vgl. oben 1. Kap. Anm. 15. 151 So schon nach R. Saadja Gaon, vgl. Estori Parchi, Kaphthor wa- Pherach ed. Luncz S. 248. Vgl. auch Ibn Esra zu Num 345. Vgl. noch Josef Schwarz, Thebuoth ha-Arez, Jerusalem 1845, S. 13 und Hameamer ed. Luncz I 48. 153 Vgl. auch Reisebeschreibungen des R. Benjamin aus Tudela bei Eisenstein, Ozar ha-Massaoth S. 43 und Estori Parchi S. 245, 304. 153 A. a. O S. 248• 154 N. 2206. Vgl. noch Mezudath David N. 592.