Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 175)
- Language
- German
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172 § 5. Sonstige Religionsgesetze gung b, daß die Paarung verschiedener Tiere ״der Natur zuwiderlaufe“. Zwar findet sich die Wertschätzung des Maultiers gelegentlich auch in einer stoischen Abhandlung1; wenn aber selbst die Kyniker, die an Oedipus’ Blutschande nichts auszusetzen fanden, die Sodomie der Pasiphae mißbilligten2, so geschah es deshalb, weil sie wußten, daß kein Tier nach einem andersartigen Tiere Verlangen trägt3; auch maßgebende Stoiker sahen im Geschlechtstrieb eine Weisheit der ״Kupplerin Natur“ und zwar gerade deshalb, weil nie ein Hengst nach einer Kuh, ein Stier nach einer Stute verlangt4. Dem entspricht Phiions Gedankengang genau. Es mag kein Zufall sein, daß auch ein Talmudlehrer die Eingangsworte unseres Verses ״meine Gesetze sollt ihr innehalten“ nicht auf die folgenden Vorschriften bezieht, sondern auf die ״Gesetze, welche Gott seiner Welt eingegraben hat5“; ja, man möchte die Spur verwandter Denkart erblicken in der Meinung, Ana, der Maultiere suchte, sei selbst ein Bastard gewesen6, und in der vereinzelten Anschauung, daß diese Gebote nicht erst für Israel, sondern für die ganze Menschheit gelten7. Aber wenn hier ein Zusammenhang besteht, so kann es nur der sein, daß stoische Denkweise, wohl durch Vermittlung von Männern der Diatribe, auf die Rabbinen wirkt; daß dagegen Philon von jüdischen Auslegern gelernt haben solle, ist schon deswegen ausgeschlossen, da er sich nicht, wie jener Talmudlehrer und seine Nachfolger in 1 Cic. Nat. d. II 109; Olck RE VI 655 ff., der über die Verwendung des Maultieres verdienstlich handelt, geht auf das Weltanschauliche nicht ein. 2 S. u. bei der Besprechung der Geschlechts moral. 3 ״Die Esel begehren die Stuten nicht von Natur, außer wenn sie mit Pferdemilch gesäugt wurden“ Dio Pr. 21, 6 nach kynischer Quelle. 4 Cic. Nat. d. I 77 (nach Poseidonios? Heinemann ebd. 157) non vides quam blanda conciliatrix et quasi sui sit lena natura? An putas ullam esse terra marique beluam, quae non sui generis belua maxi me delectetur? Quod ni ita esset, cur non gestiret taurus equae contrectatione, equus vaccae? 5 Jerusch. Kilajim I 7 •חקים שחקקתי בעולמי. 6 Pes. 54a (zu Gen 3624) nach den דורשי חבורות (Hinweis M. Guttmanns). 7 T. b. Sanh. 60a; Jerusch, a. a. 0.