Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 174)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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Stellung zu den Tieren 171 die grundsätzlich viel weiter gingen, z. B. in der Verheißung ״ich werde Gras geben für dein Vieh und du wirst essen und satt werden“ (Deut 1115) die Mahnung erkannten, erst für die Ernährung des Viehs und dann für die eigene zu sorgen1, und in Auslegung des Verses ״Mensch und Tier hilfst Du“ (Ps 367) sogar mit dem Gedanken spielten, daß dem Menschen um des Tieres wegen geholfen werde2. Vielmehr schlägt Philon den einzig möglichen Weg ein, um gewisse Humanitätsvorschriften der Bibel zu rechtfertigen; und wenn auch die philosophische Ethik der meisten griechischen Schulen, insbesondere der Stoa, von Pflichten gegen Tier und Pflanze nichts wissen will und sich Philon die Grundlage pythagoreischer Tierfreundlichkeit, die!,ehre von der Seelenwanderung nicht aneignet, so finden wir doch vereinzelt auch im stoischen Kreise die Meinung, daß nach dem Willen der Gottnatur auch der Mensch der Tiere und Pflanzen wegen da sei, nicht nur diese um seinetwillen3; ja, Seneca zitiert zustimmend Ep. 108,17 f. die Ansicht des Sextius, daß das Schlachten der Tiere an Grausamkeit gegen Menschen gewöhnt. Namentlich die letztere Erwägung entspricht durchaus Phiions Denkart. — Zur Begründung c darf wohl bemerkt werden, daß Philon auf volkstümliche Redensarten anzuspielen scheint, unserem ״Gleich und Gleich gesellt sich gern“ entsprechend, die ihm aus Homer (p 218) und Platon (Symp. 195 B) geläufig waren, allerdings aber auch im Talmud (Baba qamma 92b) ihre Parallele finden4. — Durchaus hellenisch ist auch die Erwä- 1 Aus ihr schöpft Ihn Esra zu Deut 22x : Gott hat Mitleid mit all seinen Geschöpfen; und der Esel ist schwächer als der Ochse. 2 Ber. r. 33, 1 S. 303, 1 der kritischen Ausgabe, in welcher Parallelen vermerkt sind (Hinweis M. Guttmanns). 3 Ueber die tierfeindliche Stellung der Stoa im allgemeinen vgl. Heikemank, Pos. met. Sehr. II 434 f.; über Panaitios’ etwas abweichende Ansicht ebd. 202. 4 Auf die Beziehungen zwischen ,,Gleichheit“ und Gerechtigkeit nach Philon und seinen stoischen Quellen (s. o. S. 134) braucht hier noch nicht eingegangen zu werden, da er in unserem Zusammenhang nicht ausführlich von ihnen redet.