Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 169)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2720904-2721055--168-2727114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 § 5. Sonstige Religionsgesetze zumal in Kynikerkreisen1 verbreitet. Auch daß die Rabbinen an ein Ereignis der biblischen Geschichte, Philon an Beobachtungen aus dem Leben anknüpft, verdient eine gewisse Beachtung. Tefillin und Mesusa. Deut 68 (vgl. Ex 139, Deut 1120) wird vorgeschrieben: ״Du sollst sie (die Worte, die ich dir heute anbefehle) anknüpfen zum Zeichen an deine Hand und sie seien לטטסת zwischen deinen Augen.“ Statt des schwierigen hebräischen Wortes hat dieLXX d-aakzuzov ״unerschüttert“; statt der Schlußworte gibt sie 7zpo by&alpxbv aou (vor deinen Augen). Aus diesen Stellen folgerten die Rabbinen die Verpflichtung, Kapseln mit bestimmten Thoraabschnitten (Tefillin) an Kopf und Arm zu tragen und die Thürpfosten mit ähnlichen Kapseln (Mesusot) zu versehen. Nach Philon Sply. IV 137 ff. ist die erste Vorschrift dahin zu verstehen, daß die Lehren der Gerechtigkeit nicht dem Ohre sondern dem Herzen einzuprägen (vgl. 66 ״die Worte sollen in deinem Herzen sein“) und in die Tat umzusetzen sind. Ferner weiß er, daß diese Vorschriften sich in ständiger Bewegung befinden sollen (ehai oeiopeva npb d<p$akpx1)v 137; daher oakov eyirco xtvoopeva 139); er fand also in seiner Handschrift statt äoaXeorov einen Ausdruck, der das Gegenteil bedeutete. Die Vorschrift hat nach ihm natürlich nicht den Sinn, daß die Gesetze der Gerechtigkeit ״der Festigkeit und des Haltes entbehren dürften“, sondern daß sie immer aufs neue die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollen; die Bemerkung § 140, als vollkommen gelte, wer sie seinem seelischen Auge einprägt nicht in ruhendem Zustande, sondern in Bewegung und Anwendung ihrer natürlichen Kräfte, zeigt, daß ihm noch eine andere Deutung dieser Bewegung vorschwebt; diese beruht auf der echt griechischen Gleichsetzung von Wirkung und Bewegung, die bereits von hellenisierten Aegyptern zur Rechtfertigung der Klappern (wörtlich aetarpa ״das 1 S. o. S. 116,1; Joel, Der echte und der xenophontische Sokrates II 51 ff.; allgemeines über seine Schätzung bei Manns, Die Jagd bei den Griechen II (1889) 3 ff. und Orth, Der Hund im Altertum (1910) 18 ff., 27 ff.