Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 168)
- Language
- German
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Humanitäre Begründung der Speisegesetze 165 durch Philon ist allerdings aus diesen Berührungen nicht mit Sicherheit zu schließen; denn abgesehen davon, daß die Mehrzahl der Gesetzeslehrer die erwähnten Vorschriften streng auf die in der Thora genannten Tiere beschränkt* 1, was bei der Annahme humanitärer Begründung jedenfalls nicht folgerichtig wäre, ist zweifellos der Tadel roher Speisesitten, insbesondere der toixotpayia, ebensogut hellenistisch, wie er jüdisch ist2. Auch darin stimmt Phüon mit den Rabbinen überein, daß die Worte Ex 2230 ״dem Hunde mögt ihr es (das zerrissene Tier) hinwerfen“ keine Geringschätzung bedeuten, sondern das Gebot, den Hund zu belohnen; während aber dessen Verdienst nach der Mechilta z. St. darin besteht, daß nach 117 ״kein Hund den Israeliten (beim Auszug) etwas zuleide getan hat“ und ״Gott keinem Wesen seinen Lohn vorenthält,“ verdient er nach Philon SpE. IV 121 seine Ehrengabe als Gehilfe bei der Jagd; und wie deren Wertschätzung bei Philon a. a. O. als ״Vorschule und Vorübung für den Krieg“ natürlich griechisch ist3, so war auch die Schätzung des Jagdhundes in der Muttermilch zu kochen, es vor dem 8. Lebenstage oder zusammen mit seinem Jungen zu schlachten, vermutungsweise einheitlich aus Abneigung gegen Grausamkeit erklärt. 1 W0HLGEMUTH S. 38. 2 Ueber den Tadel der Omophagie, deren wahren Sinn (Wunsch, das Mana des Gottes in sich aufzunehmen: Harrison, Themis 119 ff.) das Altertum nicht kannte, vgl. Heinemann, Poseidonios’ metaphysische Schriften I 124 f. Nach dem Talmud (Stellen bei M. Guttmann מפתח התלמוד I 306) ist sie bekanntlich auch Heiden verboten. Mit dem Abscheu gegen sie mag Zusammenhängen, daß der böse Nebukadnezar nach Ned. 65a einen lebendigen Hasen aß. — Auf Phiions grundsätzliche Stellung zum Tierschutz kommen wir zurück. 3 Günstige Beurteilung der Jagd auch V Mos. I 60; De Jos. 3. Sie gründet sich auf die von Philon De prov. II 92 gebilligte stoische Teleologie, nach welcher die wilden Tiere dazu geschaffen sind, daß wir unseren Mut und unsere Kraft an ihnen üben. Anderes bei Norden, Jbb. für Philol. Sppl. XVIII 326. Wie wenig günstig das rabbinische Judentum über die Jagd dachte, zeigt Moritz Mainzer, MGWJ 1909, 181 f.