Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 165)
- Language
- German
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162 § 5. Sonstige Religionsgesetze deutete1, so ergibt sich mindestens, daß die Auslegungsmethode hellenischer Denkweise entsprach. Eine weitere ethische und rein allegorische Deutung ist die Beziehung der Fische ohne Flossen und Schuppen auf Menschen, die widerstandslos dem Strudel der Genuß־ sucht preisgegeben sind De plant. 144, SpL. IV 111 f.; der Vergleich des Strudels mit der Lust ist Philon, wie wir wissen2, aus griechischer Quelle geläufig. Neben diesen ethischen Allegorisierungen steht die psychologische Deutung des Spaltens der Klauen und des Wieder־ käuens auf das sichere Unterscheiden und das beständige Wieder־ einprägen SpL. IV 106 ff.; De agr. 131 ff., 145 ff.; im Gegensatz zum Aristeasbrief und sicherlich im Einklang mit dem Ursprungliehen Sinn der Deutung hat er nicht nur die Erinnerung an den Gottesgedanken, sondern jede Einprägung von Wissen im Auge, wenn es ihm auch in erster Reihe auf ethische Wahrheiten ankommt. Auch für diese offenbar ganz unrabbinische3 Deutung läßt sich eine griechische Analogie nachweisen: nach Seneca Ep. 84,5 sollen wir die Lehren der Philosophie gut verdauen; sonst gehen sie nur ins Gedächtnis, nicht in den Charakter über4. Zwischen den rein allegorischen und den wörtlichen Auffassungen steht auch hier die Zahlensymbolik: nach SpL. IV 105 sind zehn Tierarten als rein bezeichnet, weil nach der Eins die Zehn die heiligste Zahl ist5. 1 De Iside 371 C; dazu Heinze, Xenokrates 30 ff. 2 S. o. S. 121, 4. 3 Unrabbinisch ist natürlich nur die Umdeutung der Speisegesetze; die Bezeichnung des Lernens durch die Nahrungsaufnahme entspricht durchaus der Büdersprache der Bibel, die von einem Hunger oder Durst nach Gottes Wort redet (Am 8U, Jes 55!); daher ist nicht zu verwundern, daß die etwas unbequemen Mahnungen des Buches Qohelet, gut zu essen und zu trinken, im Midrasch, z. B. zu ß^, auf geistige Ernährung bezogen werden. 4 Andere Parallelen in der Anm. zur Uebersetzung. 5 M. Guttmann erinnert mich daran, daß auch nach Num. r. 21,16 zehn Tiere erlaubt sind, drei Haustiere und sieben freilebende. Die Zahlen- Symbolik ist also anders als bei Philon und kann unter dem Einfluß des £0ר